TOLETUM – Netzwerk zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike

Toletum ist nicht nur die lateinische Bezeichnung für die spanische Stadt Toledo, sondern auch der Name eines neu gegründeten Netzwerkes zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike. Durch zahlreiche, teilweise spektakuläre archäologische Funde hat die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem antiken Spanien neue Impulse erhalten. Ein solcher Fund ist das 1988 freigelegte römische Theater in Cartagena, das zu seiner Zeit eines der größten in Hispania war.

Toledo
Foto: Wikipedia

Durch ein umfassenderes Verständnis von „Stadtarchäologie“ und den daraus resultierenden Grabungsstätten entstanden neue Forschungsmöglichkeiten, die zu einer wachsenden Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen führten. Um diese Entwicklung auch in Deutschland nachzuvollziehen, haben sich im letzten Herbst Historiker, Klassische und Provinzialrömische Archäologen, Bauforscher und Klassische Philologen zum Netzwerk TOLETUM zusammengeschlossen.

Toletum - Website

Das Netzwerk will den wissenschaftlichen Austausch anregen und auf dem jährlich stattfindenden Workshop einen Überblick über die aktuellen Arbeiten zur Iberischen Halbinsel in der Antike bieten. Auf der kürzlich eingerichteten Website werden zahlreiche Informationen gebündelt, darunter viele, die sich speziell an Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler richten, und Ansprechpartner genannt, mit denen sich Interessenten in Verbindung setzen können.

Übrigens, sollten Sie neugierig geworden sein: Literatur zur römischen Stadtgründung Toletum und zu vielen anderen Themen der spanischen Geschichte nicht nur in der Antike finden Sie auch bei uns in cibera.cibera

Ein Äquivalent für ein Glas Milch – 50 Jahre Incaparina in Guatemala

In Guatemala feierte vor kurzem Incaparina seinen 50. Geburtstag: Incaparina ist ein Ersatzprodukt für tierisches Eiweiss, das v.a. in der Kinderernährung verwendet wird. Das Wort setzt sich zusammen aus INCAP (=Instituto de Nutrición de Centro América y Panamá) und harina (=Mehl).

INCAP-Gebäude in Guatemala-Stadt INCAP ist ein 1949 gegründetes ernährungswissenschaftliches Institut für ganz Zentralamerika, dessen Sitz in Guatemala-Stadt liegt. Seit den 1950er Jahren erforschte das Institut die Ernährungssituation in der Region und legte dabei einen Fokus auf die Unterernährung von Kindern in ländlichen Regionen Guatemalas. Milch und andere Quellen tierischen Eiweißes waren für die dortige Bevölkerung unerschwinglich.

Incaparina Deshalb begaben sich die Ernährungswissenschaftler auf die Suche nach einem Ersatzstoff. Ihr Ziel war es, ein bezahlbares Äquivalent zu finden, das auf pflanzlichen und lokalen Produkten basiert. Nach einer Reihe von Experimenten wurden sie fündig: Baumwollsamen lieferten die benötigte Protein-Quelle für die erste Incaparina-Formel. Der Zusatz von Mehl und Vitaminen machte die Mischung komplett, die häufig als Atole (ein Getränk auf der Basis von Maismehl) konsumiert wurde.

Der Preis betrug nur ein Drittel des Preises für ein Glas Milch, was Incaparina für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich machte. INCAP beantragte nie ein Patent für das Produkt, sondern setzte sich zum Ziel, die Idee in Zentralamerika und anderen Weltregionen zu verbreiten. Dabei kooperierte das Institut mit verschiedenen privaten Unternehmen, die die Mischung produzierten. In Guatemala existiert Incaparina bis heute: Die Mischung basiert inzwischen auf Sojamehl und wurde um neue Geschmacksrichtungen erweitert.

Sehen Sie dazu auch das Video 50 Jahre Incaparina:

50 Jahre Incaparina


Dr. des. Christiane Berth
Die Autorin arbeitet an der Universität St. Gallen in der School of Humanities and Social Sciences (Lateinamerikanische und Internationale Geschichte).

Kaffee-Welten: Netzwerke zwischen Norddeutschland und Zentralamerika

Kaffee ist nicht nur ein beliebtes Getränk und für viele Menschen unverzichtbarer Bestandteil des Alltags: Kaffee vernetzte auch unterschiedliche Welten. Über den Kaffee entstanden vielfältige Verflechtungen zwischen Norddeutschland und den kaffeeproduzierenden Regionen in aller Welt. Wirft man z.B. einen Blick auf die Landkarte der Grenzregion zwischen Mexiko und Guatemala finden sich dort Namen wie Germania, Hamburgo und Nueva Alemania. Welche Geschichten verbergen sich dahinter? Der Schlüssel zur Erklärung liegt in der Geschichte des Kaffeehandels.

Die Kaffeeanbauregion Soconusco in Chiapas Im Folgenden präsentiere ich Ergebnisse des von der DFG finanzierten Forschungsprojekts „Kaffee-Welten“, das im letzten Jahr an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg abgeschlossen wurde. Ziel des Projekts war es, die Handelsnetzwerke zwischen Norddeutschland und Zentralamerika und die Biographien der Akteure im Kaffeehandel zu erforschen.

Kaffee-Welten in Norddeutschland und Zentralamerika

Hamburg und Bremen waren als Hafenstädte die wichtigsten Zentren der deutschen Kaffeewirtschaft. Schnell ergriffen norddeutsche Kaufleute die Gelegenheit, mit dem Genussmittel Geschäfte zu machen. Sie schlossen sich in Hamburg im Verein der am Caffeehandel betheiligten Firmen zusammen, der in der Speicherstadt seinen Sitz hatte. Dort befand sich auch die 1887 gegründete Kaffeebörse. Hier schlossen die Händler Geschäfte ab, beobachteten die Preisentwicklung, tauschen Gerüchte aus und schmiedeten Allianzen.
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Themenportal Viajeros Españoles

Biblioteca Cervantes: Viajeros Españoles

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Dazu passend diese Nachricht: Die Biblioteca Cervantes hat wieder einmal ein gut recherchiertes und mit einer Fülle von Materialien angereichertes Themenportal ins Leben gerufen. In ihrem neuesten Webprojekt Viajeros Españoles widmen sie sich den Reisen, die Spanier im Laufe der Geschichte unternommen haben, und bilden das vorhandene, zum Teil digitalisierte, Material dazu ab und verlinken relevante Informationen. Was man im Einzelnen dort finden kann, ist unter Presentación näher beschrieben und in diesen Worten zusammengefasst:

Esta página web pretende reunir, desde una óptica fundamentalmente literaria, el mayor número posible de textos sobre los viajes realizados por españoles a lo largo de la Historia por todo el mundo así como estudios que analizan estos viajes, además de una amplia galería de imágenes, enlaces de interés y una selecta recopilación de referencias bibliográficas.

Einen Einblick, was im Portal jeweils an neuen Dokumenten eingestellt wurde, finden Sie unter Últimos contenidos incorporados. Wieder einmal ein gelungenes Angebot. Vieles ist noch im Aufbau, doch Einiges gibt es schon zu entdecken. Schauen Sie doch mal rein.

[via @librodenotas]

100 Jahre japanische Immigration nach Brasilien: eine Ausstellung der National Diet Library Japan

Japanischer Brasilien-Fan

Japan und Brasilien verbindet ein besonderes Verhältnis. Diesen berechtigten Eindruck konnten Zuschauer des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft 2002 zwischen Deutschland und Brasilien in Yokohama gewinnen. Im Stadion fand die brasilianische Mannschaft deutlich stärkere Unterstützung als die deutsche. Die Ursachen dafür? Viele der so ostasiatisch wirkenden Fans dürften besser portugiesisch als japanisch gesprochen haben und in vielen Fällen in Japan lebende und arbeitende Nachkommen japanischer Auswanderer nach Brasilien gewesen sein.

Die Geschichte der wechselseitigen Immigration ist gut einhundert Jahre alt. Ausgelöst durch das Ende der Sklaverei in Brasilien und große Armut vor allem der ländlichen japanischen Bevölkerung unterzeichneten die Regierungen 1907 ein Abkommen, in dessen Folge vor allem Ende der 20er / Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Japaner nach Brasilien auswanderten. Seit den 80er Jahren gibt es eine gegenläufige Bewegung. Politische und ökonomische Probleme in Brasilien veranlassten viele Brasilianer vor allem japanischer Abstammung zur Immigration nach Japan. Ein japanisches Gesetz aus dem Jahr 1990 erleichtert Ausländern japanischer Abstammung den Zugang zu Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen.

Als Folge der Immigration nach Brasilien lebt noch heute dort die weltweit größte Gruppe von Exiljapanern. Rund 1,5 Millionen Menschen vor allem in der Region um São Paulo verweisen auf ihre japanische Abstammung. Umgekehrt leben etwa 320.000 Brasilianer in Japan. Portugiesisch ist nach Chinesisch und Koreanisch die am dritthäufigsten gesprochene Fremdsprache in Japan.

Einem Teil dieser wechselseitigen Geschichte widmet seit dem 4. März die National Diet Library Japan eine neue virtuelle Ausstellung mit dem Titel 100 anos de imigração japonesa no Brasil bzw. ブラジル移民の 100 年. Die zweisprachige Ausstellung stellt in sieben Kapiteln mit rund 200 Exponaten (Fotos, Artikeln, Briefen etc.) die Geschichte der japanischen Immigration nach Japan vor. Seit 1984 sammelt die National Diet Library exiljapanische Materialien wie Briefe, Zeitungen, japanisches Kartenmaterial, Fotos nicht nur aus Brasilien, sondern auch aus Peru, Hawaii etc. Ressourcen dieser Sammlung ergänzt durch ausführliche erläuternde Texte und Beschreibungen bilden das Kernstück der Ausstellung.

National Diet Library: 100 anos de imigração japonesa no Brasil

Vorgeschichte – Vertragsunterzeichnung bis Beginn der Einwanderung – Bau japanischer Siedlungen – Übersiedlungshilfe durch das Innenministerium – Anwachsen des Nationalismus und Ablehnung japanischer Immigranten – Spaltung des exiljapanischen Gemeinschaft – Wiedervereinigung des exiljapanischen Gemeinschaft bis heute: Die sieben Kapitel beleuchten verschiedene zeitliche Abschnitte und Aspekte der japanischen Immigration nach Japan. Jedes Kapitel gliedert sich in weitere Unterabschnitte. Die historischen Dokumente sind als Bilder und Texte in die Ausstellung eingebunden. Eine Sammlung von Artikeln über verschiedene Randaspekte wie die Immigration und Kaffee, Baseball in Brasilien, oder Haikus von Exiljapanern runden im Verbund mit einem ausführlichen Literatur- und Quellenverzeichnis sowie einer Linksammlung die Ausstellung ab.

Auch außerhalb dieser Ausstellung seien die Seiten der National Diet Library mit ihren hervorragenden Sammlungen allen Nutzerinnen und Nutzern ans Herz gelegt.


Anne Barckow ist Übersetzerin für Japanisch und Koreanisch und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des vascoda e.V.

Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg

spanische Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg im Kino Babylon

Heute Abend beginnt in Berlin eine spanische Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg im Kino babylon, die bis Ende des Monats laufen wird: »70 Jahre später 1939 – 2009. Das Ende des Spanischen Bürgerkrieges«. Die Reihe gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Vom Spanischen Bürgerkrieg zum II. Weltkrieg“, die am 4. März 2009 im Willy-Brandt-Haus eröffnet wurde.

Das babylon zeigt aus Anlass des 70. Jahrestages des Endes des Spanischen Bürgerkrieges 13 spanische Spielfilme aus den Jahren 1989 bis 2007. Die Eröffnung wird mit Carlos Sauras Film „Ay, Carmela!“ am Fr, den 6.3. um 20:00 stattfinden.

Das Programm der Filmreihe mit Informationen zu den einzelnen Filmen sehen Sie auf der Website des Kinos babylon, sowie zum Ausdruck mit den wichtigsten Daten im Überblick auch in diesem PDF (840 kb). Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass der Eintritt frei ist!

Biblioteca Escolar Digital

Biblioteca Escolar Digital de PRIMARIA Der Einzug der neuen Medien und der vernünftige Einsatz des Internets sind in der schulischen Bildung nicht mehr wegzudenken. Dort, wo es mit gut durchdachten didaktischen Konzepten geschieht, ist dies durchaus eine sehr begrüßenswerte Tendenz. Bestes Beispiel dafür ist das Bildungsportal Biblioteca Escolar Digital, konzipiert und ins Leben gerufen von der Fundación Germán Sánchez Ruipérez. Das Angebot versteht sich als…

…una herramienta didáctica para profesores, alumnos, padres, pedagogos e investigadores del mundo de la educación.

Biblioteca Escolar Digital InfantilVon der Eingangsseite aus sind zwei nach Altersstufen gestaffelte Portale zu erreichen: die Biblioteca Escolar Digital de PRIMARIA (s. Abb. oben) und die Biblioteca Escolar Digital Infantil (s. Abb. links). Während der Einsatz der neuen Medien gerade für die zuletzt genannte Zielgruppe der Drei- bis Fünfjährigen meines Erachtens wirklich nur sehr dosiert vorgenommen werden sollte, zeichnet sich das erstgenannte Primaria-Portal durch einen altersgerechten Umgang mit dem Netz aus. Mit interessanten Informationen sowohl für die Lehrenden als auch für die Lernenden. Wenn Sie schon dazu übergegangen sind RSS-Feeds (Info) zu nutzen, empfehle ich Ihnen den Bezug der neuesten Nachrichten durch den Feed Noticias Primaria.

Dort stoßen Sie dann auf so sinnvolle Tipps wie die Mapa Web 2.0, den gelungenen Versuch einer Kartierung des von vielen als verwirrend empfundenen Wirrwarrs aus Mitmach-Diensten:

Mapa Web 2.0

Die gut gruppierte Übersicht ist auf der Seite internality.com/web20 mit einer Creative Commons Lizenz (Info) zur freien Nachnutzung veröffentlicht worden und wird dort in verschiedenen Formaten zum Download angeboten. Etwa als PDF mit allen Links auf die aufgeführten Dienste, oder als Wiki: Mapa Web 2.0.

Wir werden das gut gemachte Bildungsportal jedenfalls in die Iberolinkscibera, den Fachinformationsführer der Virtuellen Fachbibliothek cibera, aufnehmen. Vielleicht schauen Sie sich die Biblioteca Escolar Digital ja einmal an.

[via Libro de Notas]

Neue Kommentatoren auf Público – Antonio Orejudo zur spanischen Vergangenheitsbewältigung

Opinión: Neue Mitglieder bei Público Die spanische Zeitung Público, die wir Ihnen im Juni schon einmal vorgestellt haben, hat ihre Sektion Opinión durch eine Vielzahl neuer Kommentatoren erweitert. Dazu zählen so renommierte Persönlichkeiten wie der Hispanist Ian Gibson, der Politologe und Schriftsteller Carlos Taibo, der Verfassungsrechtler Francisco Balaguer oder die gerade erst mit dem Premio Espasa de Ensayo ausgezeichnete1 Schriftstellerin und Journalisten Ana R. Cañil. Alle neuen Kommentatoren finden Sie in der Vorstellung auf Público.

Ein Mitglied der erweiterten Rubrik »Opinión«, der Historiker und Schriftsteller Antonio Orejudo2, ist in diesen Tagen in deutscher Übersetzung in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Anlässlich der Anklage des Untersuchungsrichters Baltasar Garzón gegen Francisco Franco und gegen weitere Personen wegen möglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und unter Bezug auf die Öffnung von Massengräbern, darunter dem von Federico García Lorca, beschreibt Orejudo, wie schwer Spanien sich noch immer mit der Bewältigung seiner jüngeren Vergangenheit tut. Und er findet dabei deutliche und treffende Worte:

Kein Land kann seine Geschichte auf der Fälschung seiner Vergangenheit aufbauen. Nicht weil dies unmoralisch ist, sondern weil es – wie unmoralisch auch immer – unmöglich ist. Früher oder später tritt die Vergangenheit ans Licht, und die Gemordeten ziehen ihre Mörder zur Rechenschaft.
[…]
Der spanische Staat wäre dazu längst verpflichtet gewesen, ohne dass ihn eine richterliche Anordnung dazu zwänge. Man hat sich davor gescheut, weil die Baumeister der neuen Demokratie und Erben des Franquismus dessen wahres Antlitz vor der Geschichte verbergen zu können vermeinten: das eines blutrünstigen Unrechtsregimes, das seine Widersacher nach dem Bürgerkrieg physisch und moralisch zu vernichten trachtete.

Lesen Sie weiter in der NZZ: »Franco einsperren, Lorca ausgraben« – Spanien beschäftigt sich weiterhin ungern mit seiner Vergangenheit (NZZ-Artikel vom 5.11.2008).

  1. Siehe Meldung La Vanguardia: La periodista Ana R. Cañil sucede a Boadella en el palmarés del Premio Espasa de Ensayo []
  2. Antonio Orejudo ist in Deutschland auch bekannt durch seinen 2006 erschienenen Roman »Feuertäufer« (»Reconstrucción«), übersetzt von Christian Hansen []