peer review – Von Doppelblindverfahren, Herausgeberentscheidungen und anderen Formen der Qualitätsprüfung

Im Zuge der Diskussionen um Qualitätsstandards beim wissenschaftlichen Publizieren taucht ein Begriff immer wieder an Schlüsselstellen der Debatte auf: peer review. So wird in der Debatte um wissenschaftlich zweifelhafte fake journals oder predatory journals das peer review als Garant einer wissenschaftlichen Seriosität ausgemacht.

Mit dem Begriff fake journals sind Zeitschriften gemeint, bei denen die eingereichten Beiträge gar nicht auf Validität und ein wissenschaftliches Vorgehen durch Fachleute geprüft werden – also ein peer review in keiner Form stattfindet. Nicht unbedingt gemeint ist bei der genannten Forderung das double blind peer review. Dieses wird zwar immer wieder mit dem Begriff peer review assoziiert, ist aber tatsächlich nur eine Variante davon.

In seinem Kern bezeichnet der Begriff das Begutachten einer wissenschaftlichen Arbeit und ihrer Ergebnisse auf Validität und Publikationswürdigkeit durch Fachleute. Auch sehr verbreitet ist in den Geisteswissenschaften die Begutachtung eingereichter Arbeiten durch das Herausgebendengremium. Besteht dieses Gremium aus Spezialist*innen des jeweiligen Fachgebiets, handelt es sich um ein editorial peer review. Mitunter wird aber von den Herausgebenden die Begutachtung durch Externe koordiniert. Eine solche Trennung zwischen  Herausgebenden und Begutachtenden wird auf manchen Seiten als Kern des peer review angesehen. Komplementär dazu wird dann die Begutachtung durch Herausgebende nicht als editorial peer review bezeichnet, sondern als editorial review.

Häufig ist bei einem peer review die Anonymität des Begutachtenden gegeben (single blind peer review). Wenn darüber hinaus auch der Publizierende anonym ist, wird von Doppelblindgutachten (double blind peer review) gesprochen. Ohne Kritik kommt freilich auch das peer review nicht aus, es wird nicht immer als objektiv angesehen, sondern mitunter als Möglichkeit der unsachlichen – da anonymen – Kritik gesehen. Solchen Nachteilen versuchen experimentellere Verfahren zu begegnen. So werden im open peer review der Verlauf und das Ergebnis der Begutachtung von jedermann einsehbar.

Dass aber eine dieser Formen Anwendung findet, ist im Open Access-Bereich bspw. bei Plattformen wie Open Edition Journals oder Open Library of Humanities eine Voraussetzung zur Aufnahme einer Zeitschrift. Nach der Offenlegung des genauen Verfahrens wird dieses einer Begutachtung unterzogen, die zum Aufnahmeverfahren der Plattformen gehört. Auch von diesen konkreten Fällen abgesehen wird die Transparenz der Verfahren erhöht, wenn das Verfahren benannt wird.

Bei Interesse an einer Hostingplattform für Ihre neugegründete oder bereits existierende Fachzeitschrift berät der FID gerne und beantwortet Ihre Fragen zum Thema: https://www.fid-romanistik.de/open-access/persoenliche-beratung/

Abbildungen: Open Library of Humanities: openlibhums.org; OpenEdition Journals: journals.openedition.org
Update 6.2.: Um Missverständnisse zu vermeiden, wurde der erste Absatz leicht umformuliert.

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