Labex Obvil

Screenshot der Webpräsenz Labex ObvilDie französische Exzellenzinitiative OBVIL ist eine wertvolle Akteurin im Bereich der Digital Humanities. Sie stellt zugangsfreie Volltexte in hervorragender Qualität online zur Verfügung und entwickelt Werkzeuge zur Erleichterung der digitalen Textuntersuchung und graphischen Repräsentation. In Deutschland scheint das Angebot jedoch recht unbekannt zu sein.

Das Observatoire de la vie littéraire, kurz: OBVIL, ist an der Sorbonne Université (ehemals Paris-Sorbonne (Paris IV) und Pierre et Marie Curie (Paris VI)) sowie am CNRS angesiedelt. Es ist eines der Laboratoires d’Excellence (Labex), die vom französischen Staat im Rahmen des Programms „Investissements d’avenir“ finanziert werden, um die Innovationskraft in Frankreich zu stärken. Anders als der Name vermuten lässt, beobachtet OBVIL nicht nur die aktuelle Literaturszene. Das Interessensgebiet erstreckt sich über die gesamte französische Literatur, die mit Methoden der Digital Humanities analysiert wird. Zur Anreicherung von Texten, ihrer Untersuchung sowie zur Repräsentation der Ergebnisse wird vorhandene Software herangezogen. Aber auch neue Instrumente werden entwickelt, so dass möglichst alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, welche die Technik zur Aufbereitung und Analyse digitalisierter Texte bietet. Derzeit werden 25 Projekte im Labex OBVIL betreut. Darunter befinden sich Arbeiten zu einzelnen Autoren (Molière, Apollinaire, Valéry) und Themen (Discours sur la danse, La haine du théâtre) sowie zu literaturtheoretischen Fragestellungen (Histoire empirique de la littérature, Autorités en partage, Storytelling).

Neben der Förderung von exzellenter Forschung hat das Labex OBVIL einen zusätzlich sehr praktischen Nutzen für die weltweite Forschergemeinschaft. Die im Rahmen der Projekte digitalisierten Texte werden, sofern die rechtliche Lage es erlaubt, auf der Webseite allen Interessierten in verschiedenen Formaten und in der Regel unter der CC-Lizenz BY-NC-ND zur Verfügung gestellt. Das sind literarische Texte, aber auch philosophische Abhandlungen und Forschungsliteratur. Darüber hinaus wird die Software, die für die Textanalyse entwickelt wurde, anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt. Ein anschauliches Beispiel ist Dramagraph, das bei Theaterstücken statistisch die Redeanteile der einzelnen Personen und ihre jeweiligen Gesprächspartner ermittelt und graphisch repräsentiert.

Demograph veranschaulicht am Beispiel von Molières „Tartuffe“

Damit stellt das Labex OBVIL in vorbildlicher Manier die Forschungsdaten und Tools gebündelt auf der Webseite zur Verfügung und zeigt, wie wertvoll Forschungsdaten für andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.