Das Lorca-Archiv ist nach Granada zurückgekehrt

von Christoph Hornung — 10.07.2018, 11:25 Uhr

Federico García Lorca ist einer der berühmtesten Schriftsteller Spaniens und einer der berühmtesten Söhne Granadas. In seiner Heimatstadt hat im Jahr 2015 das Centro Federico García Lorca eröffnet. Mit dem Umzug des Lorca-Archivs von Madrid nach Granada sind nun auch zahlreiche seiner Manuskripe dorthin zurückgekehrt.

Das Archiv beherbergt 5000 Manuskriptseiten der Werke Lorcas, darunter 46 seiner Zeichnungen, 176 Briefe an seine Familie und Freunde und über 2000 an ihn selbst gerichtete Briefseiten, mehr als 900 Fotografien sowie 144 Bücher aus seiner persönlichen Bibliothek, teils mit Widmungen von Autoren wie Gerardo Diego. Die zum Archiv gehörende Bibliothek umfasst eine große Sammlung an Erstausgaben und Editionen von Lorcas Werken in zahlreichen Sprachen sowie über 5000 Publikationen über den Künstler. Ein Pressearchiv und eine Sammlung von Lorcas Klavierpartituren ergänzen das Panorama. Eine genaue Beschreibung der Bestände ist über die Website der Fundación García Lorca einsehbar. Dort ist auch eine große Zahl an Digitalisaten der Manuskripte verlinkt. Hier sieht man eine Seite aus Lorcas berühmtem Vortrag Juego y teoría del duende (1933):

Nun ist ein wichtiger Schritt in der Etablierung des kulturellen Zentrums getan und vervollständigt das Profil des Centro: Bereits seit 2015 finden im Centro FGL Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Schreibworkshops und weitere Veranstaltungen statt. Ursprünglich sollte es 2010 eröffnen. Doch die Fertigstellung des Centro wurde vom Baustopp getroffen, der auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ausgerufen wurde. Immer und immer wieder wurde die Eröffnung denn verschoben, bis sie 2015 realisiert werden konnte.

Als Ziele des Centro werden auf dessen Website genannt:

  • Conservación y difusión de la obra de Federico García Lorca.
  • Compromiso con las manifestaciones artísticas del panorama internacional.
  • Desarrollo de una amplia labor en la acción pedagógica con niños y jóvenes en su relación con las diversas artes.

Die meisten seiner Originalmanuskripte etc. lagen seit 1986 gebündelt in Madrid: Der Sitz der Fundación FGL und das Archivo FGL befanden sich bisher auf dem Gelände der Residencia de estudiantes. In der „Resi“ verbrachte Lorca zwischen 1918 und 1928 intensive Zeiten. Ein Klima kultureller Aufgeschlossenheit prägte das Wohnheim, das von der Institución Libre de Enseñanza betrieben wurde und von deren progressiven Ideen stark geprägt war. Viele namhafte Künstler*innen und Wissenschaftler*innen besuchten die Einrichtung und hielten dort Vorträge – wie Albert Einstein, Marie Curie und Louis Aragon – oder wohnten dort  – wie Salvador Dalí und Luis Buñuel, die Lorca dort kennenlernte.

Auch später kehrte Lorca an diesen Ort zurück, über den er einmal sagte:

„Cada vez que llego allí me rejuvenezco.“

Diese Zeit ist ausführlich nachzulesen in der Lorca-Biographie von Ian Gibson. Auf der Website der „Resi“ wird diese Zeit in Form von Briefen u.a. von Lorca selbst dargestellt. Unter dem Titel „Una habitación propia. Federico García Lorca en la Residencia de Estudiantes“ widmete ihm auch das Centro FGL gerade eine Ausstellung:

 

Abbildung: Lorca und Buñuel: Huerta de San Vicente / Casa-Museo Federico García Lorca; Banner der Ausstellung über Lorca in der Residencia: Centro FGL; Screenshot des Digitalisats von Lorcas Manuskript seines Vortrags „Juego y teoría del duende“: Portal Edad de Plata

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