Unterschied von lizenzpflichtigen E-Zeitschriften und Open Access-Veröffentlichungen

von Christoph Hornung — 05.07.2018, 11:50 Uhr

Elektronische Publikationen werden häufig mit Open Access-Veröffentlichungen gleichgesetzt. Das ergaben u.a. die Expert*inneninterviews, die zur Vorbereitung der OA-Umfrage des FID Romanistik durchgeführt wurden. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede zwischen subskriptionspflichtigen E-Publikationen und Open Access-Veröffentlichungen.

Zahlen etwa die lokalen Bibliotheken oder der FID die Lizenzgebühren für eine E-Zeitschrift oder für ein E-Book, handelt es sich mitnichten um Open Access, sondern um Closed Access: Die Zahlungen werden in diesem Fall nur nicht von den Lesenden entrichtet, sondern von ihrer Institution.

Natürlich ist für viele Nutzende der unkomplizierte Zugriff auf die Forschungsliteratur bei der Recherche für eine Forschungsarbeit das wichtigste. Diesen erhält man beispielsweise automatisch, wenn man sich im Netzwerk einer Institution mit der entsprechenden Lizenz befindet oder wenn man über das Lizenzportal des FID recherchiert.

Es gibt aber auch Fälle, in denen dies durchaus einen Unterschied macht.

Wenn die Lizenzen für die Bibliotheken zu teuer werden, werden die Zeitschriften bzw. Ebooks mitunter abbestellt. Überproportional steigende Preise von Verlagszeitschriften führten etwa zur sogenannten Zeitschriftenkrise. Kleine Bibliotheken mit geringeren Etats für die Zeitschriftenlizenzierung sind in besonderem Maße betroffen. Auch internationale Publikationen sind so mitunter besonders schwierig zugänglich. Ebenso können Veröffentlichungen von Orchideenfächern und außergewöhnlichen Publikationen betroffen sein, die nicht flächendeckend lizenziert oder gekauft werden können.

Befindet man sich nicht im entsprechenden Netzwerk, ist das Wissen wiederum den institutionell verankerten Recherchierenden vorbehalten. Die betrifft bspw. die Öffentlichkeit ohne Anbindung an Forschungsinstitutionen, die so keinen Zugriff auf öffentlich finanzierte Forschung hat. Diesen Aspekt hat gerade die französische Ministerin für Hochschulbildung, Forschung und Innovation in ihrer Präsentation der nationalen Strategie für offene Wissenschaft betont:

„La science est un bien commun que nous devons partager le plus largement possible. Le rôle des pouvoirs publics est de rétablir la fonction initiale de la science, comme facteur d’enrichissement collectif“ (Frédérique Vidal)

Zu den Kerngedanken von Open Access und Open Science gehört schließlich die freie Zugänglichkeit nicht nur ohne finanzielle Schranken, sondern auch in Unabhängigkeit von Institutionen. Auf der Informationsplattform open-access.net heißt es zum Einsatz öffentlicher Gelder:

Oft wird die Kritik laut, dass die Öffentlichkeit Forschungsergebnisse im Closed Access dreifach finanzieren muss: Geforscht und publiziert wird in der Regel durch öffentlich bezahlte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Arbeiten werden dann von öffentlich bezahlten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Peer Review begutachtet, bevor sie schließlich in einer Zeitschrift erscheinen, die durch öffentlich finanzierte Bibliotheken und Institute von Verlagen erworben werden muss. Eben diese Mehrfach-Finanzierung findet sich im Open Access nicht. (open-access.net)

Closed Access-Logo: Wikipedia; Open Access-Logo: Wikipedia; Logo von open-access.net: Wikipedia

Ihr Kommentar