Praxishandbuch Open Access jetzt frei verfügbar

Das 2017 erschienene Praxishandbuch Open Access ist nun frei verfügbar. Auf 354 Seiten bietet das Buch ausführliche Informationen zu zahlreichen Aspekten von Open Access. In seiner dezidiert praxisorientieren Ausrichtung möchte es explizit nicht nur grundlegende Informationen zu Modellen und Modalitäten von Open Access geben, sondern auch konkrete Workflows und Werkzeuge vorstellen. Damit kann es eine Fortsetzungslektüre im Anschluss an die fachlich ausgerichteten Open Access-Informationen auf den Seiten des FID Romanistik darstellen.

Die einzelnen Kapitel des Praxishandbuchs widmen sich den Themen Rahmenbedingungen, Geschäftsmodelle, Finanzierungsstrategien, Internationale Situation, Fachspezifische Perspektive, Infrastrukturen und Werkzeuge, Empfehlungen für Workflows sowie dem Verhältnis von Data Publishing und Open Access.

Diese Themen sind – im Sinne des Buchs als transdisziplinär gültiges und verwendbares Handbuch – relativ allgemein gehalten und nicht nur für einzelne Fächer gültig. Dass es aber Unterschiedene zwischen den Disziplinen gibt, wird mit einbezogen und bereits im ersten Absatz der Einleitung festgehalten (S. V). Demgemäß findet sich auch ein 34-seitiges Kapitel aus fächerspezifischer Perspektive. Die Fächer werden dabei aus einer gewissen summarischen Perspektive behandelt. So findet sich gemäß der überblicksartigen Anlage des Handbuchs ein achtseitiger Abschnitt zu den Geisteswissenschaften (Söllner, S. 247-253), der aber nicht speziell auf die Romanistik eingeht. Zahlreiche allgemeine Aussagen sind freilich auch auf sie anzuwenden, wie folgendes von Söllner verwendete Zitat:

For participants in the fine arts/humanities, speed of publication, fitness within discipline or topic, readership, and prestige of the journal were the most important concerns. They wanted to publish where the stars of their field were publishing, because even if they got rejected, they had great feedback to improve their work. For life scientists, impact factor, turnaround time, metrics, prestige, and open access were all deemed important.
(Mellon Foundation 2016: 21, zit. von Söllner 2017: 283)

Diese Beobachtung deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen der FID-Umfrage zu OA in der Romanistik. Ein Blick in die Publikationslandschaft zeugt aber auch von erheblichen Unterschieden innerhalb der Geisteswissenschaften. Exemplarisch sei darauf verwiesen, dass Open Access-Monographien in der allgemeinen Linguistik bereits starkt etabliert sind, in der Romanistik hingegen noch kaum verbreitet. Aufschlussreich ist dazu ein Blick in das Verlagsprogramm von Language Science Press.

Rechtliche Fragestellungen sind ebenfalls ein Thema, das gemäß der Anlage des Überblickswerks eher allgemein bleibt. So beschreibt das Kapitel „Open Access rechtlich absichern – warum es ein Opt-in braucht“ (Hartmann, S.45-52) das geltende Urheberrecht als Rahmen für Open Access und stellt dar, wer welches Recht besitzt und welche Rechteeinräumungen möglich sind. Besonders wird dabei betont, dass Open Access neben der Bedeutung als offener Zugang auch die Erlaubnis der Nachnutzung von Forschungsergebnissen bedeutet. Für weitere juristische Darstellungen sei an dieser Stelle auf die Handreichung von Klimpel/ Weitzmann verwiesen und für eine romanistische Perspektive auf die rechtlichen Informationen auf der Website des FID Romanistik.

Dass das Handbuch Open Access erst ein Jahr nach seinem Erscheinen in seiner Gesamtheit frei verfügbar ist, ist in gewisser Weise ein Beleg für die aktuelle Verortung von Open Access: Akteure sind nicht nur öffentliche Institutionen wie Bibliotheken mit häufig Open Access-freundlichen Programmen oder Universitätsverlagen, wie sie im Beitrag „’Not for profit‘-Verlage: Publikationsangebote von wissenschaftlichen Einrichtungen“ (Meinecke) vorgestellt werden. Auch die klassischen Verlage publizieren im Open Access. Allerdings ermöglichen manche den freien Zugriff auf die begutachteten und aufbereiteten Inhalte mitunter erst nach einer Embargofrist, wie auch im vorliegenden Fall geschehen.

 

Eine Rezension des Buches findet sich in BuB, H. 7/8(2017).

Bild: de Gruyter Website

Mellon Foundation: “Pay It Forward: Investigating a Sustainable Model of Open Access Article Processing Charges for Large North American Research Institutions.” 2016.  http://icis.ucdavis.edu/wp-content/uploads/2016/07/UC-Pay-It-Forward-Final-Report.rev_.7.18.16.pdf (letzter Zugriff: 13.6.2018)

Hartmann Thomas: „Open Access rechtlich absichern – warum es ein Opt-in braucht.“ In: Söllner, Konstanze / Mittermaier, Bernhard (Hg.): Praxishandbuch Open Access. Berlin u.a.: De Gruyter Saur 2017, S. 45-52. https://doi.org/10.1515/9783110494068-006

Klimpel, Paul/ Weitzmann, John H.: „Forschen in der digitalen Welt. Juristische Handreichung für die Geisteswissenschaften“. DARIAH-DE Working Papers Nr. 12. Göttingen: DARIAH-DE, 2015. urn:nbn:de:gbv:7-dariah-2015-5-0

Meinecke, Isabella:“‚Not for profit‘-Verlage: Publikationsangebote von wissenschaftlichen Einrichtungen.“ In: Söllner, Konstanze / Mittermaier, Bernhard (Hg.): Praxishandbuch Open Access. Berlin u.a.: De Gruyter Saur 2017, S. 146-154. https://doi.org/10.1515/9783110494068-017

Söllner, Konstanze: „Geisteswissenschaften“. In: Dies./ Mittermaier, Bernhard (Hg.): Praxishandbuch Open Access. Berlin u.a.: De Gruyter Saur 2017, S. 247-253. https://doi.org/10.1515/9783110494068-006

Söllner, Konstanze / Mittermaier, Bernhard (Hg.): Praxishandbuch Open Access. Berlin u.a.: De Gruyter Saur 2017, S. 247-253. https://doi.org/10.1515/9783110494068

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