Versteckte Forschungsleistungen sichtbar machen

von Maria Erben — 06.06.2018, 15:10 Uhr

Wortwolke Forschungsdaten

 

Was passiert eigentlich mit den Produkten, die während des wissenschaftlichen Arbeitens entstehen, aber nicht als Ergebnis in die Publikation einfließen? Das mühsam zusammengestellte Korpus französischer Dichtung des 16. Jahrhunderts, die ausführliche Bibliographie zur Dante-Rezeption im 18. und 19. Jahrhundert, das langwierig linguistisch annotierte Korpus zum Präpositionsgebrauch im Gegenwartsspanischen oder das sorgfältig vorbereitete Interview mit einem Autor werden selten im Anhang der Publikation mitveröffentlicht. Diese vorbereitenden Arbeiten, auf denen die eigentlichen wissenschaftlichen Untersuchungen beruhen, erhalten meist wenig bis gar keine Aufmerksamkeit. Dabei können sie in ihrem Wert durchaus dem einer wissenschaftlichen Publikation gleichkommen.

Die Leistung, die in der Erzeugung und Aufbereitung der Forschungsdaten liegt, kann von der Fachgemeinschaft nur gewürdigt werden, wenn die Forschungsdaten sichtbar sind. Ihre Sichtbarkeit erlaubt es Forschenden zudem, vor einem geplanten Projekt einen Überblick zu erhalten, ob andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits Vorarbeiten erbracht haben, auf die eventuell zurückgegriffen werden kann. Das erspart unter Umständen unnötige und zeitintensive Arbeit und trägt zur Vernetzung von Forschenden mit ähnlichen Schwerpunkten bei.

Die wichtigste Voraussetzung für die Sichtbarkeit von Daten ist ihre nachhaltige Sicherung auch nach Abschluss des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses. Gerade wenn viel Arbeit in die Erzeugung der Forschungsdaten geflossen ist, stellt sich meist gar nicht die Frage, ob die Daten gespeichert werden, sondern wo sie sinnvoll und sichtbar ablegt werden können. Es gibt viele Möglichkeiten, romanistische Forschungsdaten nachhaltig zu sichern. Gerade die Vielfältigkeit der Angebote erschwert jedoch die Auffindbarkeit der Forschungsdaten für andere Romanistinnen und Romanisten, da es bisher kein Suchinstrument gibt, das die Informationen der verschiedenen Anbieter zusammenträgt. Das gilt auch für die vielen Materialien zu Forschungsprojekten die auf privaten oder Institutswebseiten gespeichert sind.

Der FID Romanistik, die AG Digitale Romanistik und romanistik.de haben gemeinsam ein Formular entwickelt, mit dem Romanistinnen und Romanisten auf ihre Forschungsdaten selbst hinweisen können. Das Melden derartiger Forschungsleistungen funktioniert ähnlich wie das Anzeigen neuer Publikationen auf romanistik.de. Die eingetragenen Informationen sind dann unter Ressourcen zu finden. Ein Eintrag im wöchentlichen Rundbrief von romanistik.de informiert andere Abonnentinnen und Abonnenten über neue Meldungen. Darüber hinaus werden die Informationen in der FID-Datenbank aufgenommen, so dass eine fachspezifische Suche nach ihnen möglich wird. Die beste Möglichkeit also, Forschungsdaten sichtbar und bekannt zu machen, ist selbst aktiv zu werden. Meldesystem für Forschungsdaten auf romanistik.de

Anleitung für das Meldeformular

 

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