Jaime Rosales: Kolloquium in der Spanischen Botschaft

Gestern nahm ich auf Einladung der Kulturabteilung der Spanischen Botschaft an einem Kolloquium mit dem spanischen Regisseur Jaime Rosales teil, von dem hier berichtet werden soll, und dessen Protagonist – samt seiner Filme und der Möglichkeit diese in Deutschland zu sehen – vorgestellt werden soll.

Jaime Rosales (rechts),  Wolf-Martin Hamdorf (links)

Jaime Rosales, der u.a. drei Jahre an der Escuela de Cine de San Antonio de los Baños (Cuba) absolviert hat, schätze ich sehr, schon seit ich in Cannes 2003 seinen ersten Film «Las horas del día» gesehen habe. In seinem Stil und in seinen leitmotivischen Themen hat er mich immer an Rainer Werner Fassbinder erinnert, so dass es gestern kaum erstaunte, dass er die Filme von Fassbinder sehr schätzt. In seinem Vortrag im Rahmen des Kolloquims stellte Rosales – gerade auch mit Bezug auf Fassbinder – heraus, dass ein Künstler immer auch ein Leidender sei. Wer die Filme Rosales‘ kennt, versteht das nur zu gut.

Jaime Rosales Es ist sicher nicht vermessen zu behaupten, dass wir mit Jaime Rosales gestern in Berlin einen Regisseur vom Rang eines Fassbinders zu Besuch hatten. Was Rosales seinem deutschen Vorbild voraus hat: er braucht sich nicht so auf. Während Fassbinder mit nur 37 Jahren viel zu früh starb, u.a. weil er bis dahin in atemberaubendem Tempo 44 Filme gedreht hatte1, nimmt sich Rosales mehr Zeit für seine Kunst und hat mit 43 Jahren gerade einmal vier Filme gedreht.

Über seinen letzten Film, Sueños y silencio, äußert er sich – übrigens in sehr gutem Französisch – auf der Quinzaine des Réalisateur 2012, dem immer bedeutenderen Nebenwettbewerb der Filmfestspiele in Cannes:

Interview Jaime Rosales from Quinzaine des Réalisateurs on Vimeo.

Die gestrige Veranstaltung diente auch dazu, auf die Jaime-Rosales-Filmreihe hinzuweisen, die in Berlin und teilweise in Hamburg zu sehen ist. Ich zitiere aus der Pressemitteilung der Spanischen Botschaft:

Es ist die erste Filmreihe Rosales in Deutschland, der bisher hier dem breiten Publikum noch relativ unbekannt geblieben ist. Doch seine Arbeiten und Thematik sind Filmkennern seit langem ein Begriff. Rosales Arbeiten leben von einem ganz eigenen Rhythmus, einer langsamen und gründlichen Beobachtung und einer Mischung aus Distanz und plötzlicher Annäherung. Es geht in ihnen um das Fehlen zwischenmenschlicher Kommunikation, über die Einsamkeit auch im traditionellen Familienverband, über die Unfähigkeit nach schweren menschlichen Katastrophen Worte zu finden und die menschlichen Abgründe hinter einer scheinbar glatten Oberfläche. 1970 in Barcelona geboren, machte Jaime Rosales seinen Abschluss in Betriebswissenschaft. Er studierte dann drei Jahre Filmregie an der internationalen Filmschule der „drei Welten“ der „Escuela internacional de cine y television – de los tres mundos“ in San Antonio de los Baños auf Kuba. Mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm „Las horas del dia“ aus dem Jahre 2003 wurde er in Cannes mit dem Kritikerpreis der „Quinzaine“ in Cannes ausgezeichnet, 2007 folgte sein zweiter Film „La Soledad“ , der einen „Premio Goya“ für den „Besten Film“ und für die „Beste Regie“ erhielt. Sein Film „Tiro a la cabeza“ (Schuss in den Kopf) über einen Mord eines ETA Terroristen an zwei unbewaffneten Zivilgardisten provozierte vehemente Ablehnung und begeisterte Zustimmung und wurde 2008 auf dem Internationalen Filmfestival in San Sebastian mit dem Preis der Internationalen Filmkritik (Fipresci) ausgezeichnet. Sein jüngster Film „Sueño y silecio“ zeigte er wieder in Cannes. In Deutschland wird er zum ersten Mal auf dem Filmfest München zu sehen sein.

Filmreihe Jaime Rosales

Hier noch einmal die Termine zur Möglichkeit, die Filme von Jaime Rosales in Berlin und Hamburg zu sehen. Weitere Infos gibt es bei den beiden Kinos Babylon (Berlin) und 3001 (Hamburg):

Berlin: (jeweils 20 h)
27.05. La Soledad
03.06. Las horas del día
10.06. Tiro en la cabeza
08.07. Sueños y silencio

Hamburg: (jeweils 20 h)
18.06. Las horas del día
16.07. Sueños y silencio

Hier die Trailer/Filmausschnitte aus den vier Filmen von Jaime Rosales, die gestern auch beim Kolloquium in der Spanischen Botschaft gezeigt wurden:

Las horas del día (2003):

La soledad (2007):

Tiro en la cabeza (2008):

Sueño y silencio (2012):

Zum Abschluss sei noch darauf hingewiesen, dass Jaime Rosales im gestrigen Kolloquium in der Spanischen Botschaft auch über sein nächstes Projekt sprach, obwohl Regisseure das ja bekanntlich ungern tun. Sein kommender Film wird die Situation der jungen spanischen Generation behandeln, die angesichts der Perspektivlosigkeit durch die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Spanien das Land verlässt und zum Beispiel nach Deutschland emigriert. In der (trügerischen?) Hoffnung, hier leichter Arbeit zu finden. Sollten deutsche Filmproduktionen mitlesen: Jaime Rosales sucht noch deutsche Coproduzenten (es soll auch in Deutschland gedreht werden, in dem Land seines Vorbildes Rainer Werner Fassbinder). Bei Interesse bitte E-Mail an trapp@sub.uni-hamburg.de, ich stelle gerne den Kontakt her. 😉

  1. Vgl. Goethe Institut Argentinien. Der Meister schläft nur – zum 30. Todesjahr von Rainer Werner Fassbinder, Juli 2012. []

2 Gedanken zu „Jaime Rosales: Kolloquium in der Spanischen Botschaft“

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