Das Bild der EU in Ecuador – Forschungsergebnisse

In diesen Zeiten spricht jeder über die EU, jeder hat eine persönliche, „eigene“ Einstellung zur EU, egal ob diese sich auf die Vorteile durch einfacheres Reisen, eine fast überall einheitliche Währung oder auf Gesetzesänderungen wie das kürzliche Verbot bestimmter Glühlampen bezieht. Auch die Medien in jedem Land der EU zeigen ein bestimmtes Bild der EU. Wie aber wird die EU außerhalb ihrer Grenzen gesehen?

Welches Bild konstruieren die drei ecuadorianischen Tageszeitungen EL UNIVERSO, EL COMERCIO und die Zeitung HOY von der EU? Welches sind die häufigsten Themen in Zusammenhang mit der Europäischen Union und welche Aspekte der EU-Berichterstattung könnten noch verbessert werden? Das neu veröffentlichte Buch „Das Bild der EU in Ecuador“ zeigt die Ergebnisse auf.

Umschlag des Buches
Offizielle Seite des Verlags

Auf die Bedeutung Europa und die EU in Ecuador weisen die Befragten immer wieder hin. Dabei stehen verschiedene Werte und  Bilder im Vordergrund. Auf die Frage, welche Themen die Journalisten als sehr häufige Themen in der Berichterstattung über die EU wahrnehmen, wurden die Inhalte Migration, Wirtschaftsthemen, Bananen-verhandlungen und -export, finanzielle und wirtschaftliche Kooperation mit der EU, Gipfeltreffen der EU und Themen rund um den Euro genannt.

Die Themen, die den befragen Journalisten fehlen bzw. die ihrer Meinung nach sehr selten vorkommen, sind Alltagsthemen und kulturelle, wissenschaftliche oder religiöse Aspekte der EU. Fragt man die Experten nach den Bildern und Bewertungen, die sie der EU zuschreiben würden, werden immer wieder vier große Bereiche genannt:

  • Die EU als neue Heimat für ecuadorianische Migranten
  • Die EU als historisch-kulturelle Gemeinschaft
  • Die EU als Kooperationspartner
  • Die EU als Handelspartner

Die Bereiche ähneln den Bildern, die in der quantitativen Inhaltsanalyse herausgefunden wurden und bestätigen sie sogleich. Die EU ist für die Befragten insbesondere durch den sozialen Bezug der in Europa lebenden Ecuadorianer wichtig. Die europäische Immigrationspolitik interessiere die Leser ecuadorianischer Tageszeitungen stark. Die EU wird von den Befragten sehr kritisiert für seine scharfe Gesetzgebung. Besorgnis erregend dargestellt wird der Hass gegen Ausländer in der EU und der Verschärfung der Immigrationspolitik.

Als historisch-kulturelle Gemeinschaft wird die EU assoziiert mit dem „alten Kontinent“ Europa, mit der Kultur und der Geschichte Europas. Auch die Demokratie in der EU wird hervorgehoben. Dabei wird oft dargestellt, wie die EU es geschafft habe, historisch und kulturell höchst unterschiedliche Länder in einem bloque (politischen Block) zu vereinen. In diesem Aspekt gilt die EU als Vorbild. Alle Interviewten betonten, ein hoher Wert der EU liege in ihren verschiedenen Kulturen, Nationalitäten und Völkern. Obwohl die EU das Bild der erreichten Integration abgibt, fehlen die einzelnen EU-Identitäten nicht.

Betont wird aber auch das Bild des Kooperationspartners mit der wirtschaftlichen und politischen Größe der EU. Dabei sehen die wirtschaftlichen Beziehungen zu Ecuador im Vordergrund. Für Ecuador bedeutete die höhere Diversität und Einwohnerzahl der EU einen größeren Absatzmarkt und bessere Exportchancen. Positiv beurteilt wird der freie Verkehr von Waren, der Binnenmarkt, der „ohne Grenzen“ verbunden ist sowie die gemeinsame Währung und die Angleichung der Mitgliedsländer. Besonders geschätzt wird die EU als Förderpartner für Ecuador und Lateinamerika:

Das Bild der EU als Unterstützer der Entwicklung und Förderer zahlreicher Projekte könne aber durch eine bessere Kommunikationspolitik gefördert werden. Die EU sei ein contrapeso, ein Gegengewicht zu anderen Bündnissen. Eine ecuadorianische Redakteurin sagt, dass die EU ein „mächtiger, politischer Block ist, der ein größeres Gewicht als die USA erlangen könnte“1 und betont, dass ein Modell EU weltweit für mehr Gleichgewicht sorgen könne. Nach Einschätzung der Befragten bewertet die ecuadorianische Bevölkerung die EU mit mehr Wohlwollen als die USA.

Ein sehr negatives Bild gibt die EU in der Einschätzung der Befragten ab, wenn es um den Aspekt der Handelspolitik geht. Die Befragten sehen die Handelsbeschränkungen der EU kritisch und sprechen sogar von Protektionismus. Obwohl die Bewertung der EU in Bezug auf die Handelspolitik negativ war, sagten alle Befragten, dass die EU einen positiven Bezug in der Außenpolitik Ecuadors hat.

Die EU wird in Ecuador als Vorbild für eigene Staatengemeinschaften, andererseits als protektionistischer Verbund gesehen. Nach einem Überblick über die EU-Bilderforschung in Europa, die Einstellungsforschung und die Nachrichtenwerttheorie werden die großen überregionalen Tageszeitungen Ecuadors auf ihre Darstellung inhaltsanalytisch und mit Expertenbefragungen von Journalisten untersucht. Bislang die einzige deutsche Arbeit, die sich mit dem EU-Bild in Lateinamerika beschäftigt.

Wenn Sie Interesse an diesem Forschungsbereich haben, lesen Sie gerne weiter, denn unter folgender Webseite gibt es zusammengefasste Erkenntnisse bzw. Auszüge aus dem Buch zu lesen: www.sarah-lindner.de.

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Die Autorin
studierte in Halle (Saale), Havanna und Hamburg u.a. Journalistik, Spanisch und Geographie. 2006 beendete sie ihr Studium mit dem MAgistra Artium (M.A.).  Seit 2007 arbeitet sie beim NDR Fernsehen, zur Zeit als Nachrichtenredakteurin.

  1. La Unión Europea puede llegar a pesar mucho más que los Estados Unidos, es una omnipresencia. Y creo que, si la Unión Europea fuera más fuerte en cuanto a la presencia económica y cultural, sería un mundo con mucho más equilibrio” []
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Autor: Sarah Lindner

Journalistin; Fernsehredakteurin, Nachrichten 28 Jahre alt In Halle, Havanna und Hamburg studiert

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