Der historische Roman Gil Gómez el insurgente o la hija del médico von Juan Díaz Covarrubias im Kontext der Nationenbildung in Mexiko

von Inke Gunia — 07.06.2009, 18:37 Uhr

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“Pretender ser leído a la luz rojiza del incendio y al estruendo de los cañones”:

Der historische Roman Gil Gómez el insurgente o la hija del médico
von Juan Díaz Covarrubias im Kontext der Nationenbildung in Mexiko

(Inke Gunia, Universität Hamburg)

Vorbemerkungen:
Die folgenden Ausführungen zu dem Roman Gil Gómez el insurgente o la hija del médico1 verstehen sich als Beitrag zur Erhellung eines Zeitabschnitts der Geschichte der hispanoamerikanischen Literaturen, in dem die Bedeutungen der Poetiken, die dem Schreiben zugrunde liegen und ihre Beziehungen zueinander noch immer nicht ausführlich beschrieben worden sind. Damit ist jener Teil des 19. Jahrhunderts gemeint, der bis etwa zum Beginn der 1880er Jahre reicht. In diesem Zeitabschnitt werden verschiedene Schreibweisen praktiziert. Es findet sich die Orientierung an dem europäischen Klassizismus, der Romantik, dem Costumbrismo sowie dem Realismus. Die Rezeption des europäischen Naturalismus, die etwa in den 1880er Jahren beginnt, ist durch die Untersuchungen von Sabine Schlickers (2003) und Manuel Prendes (2003) gründlich erfasst worden2. Was hier interessiert, ist die Frage nach den an die Schreibweisen gebundenen Inhalten und Zielsetzungen im Rahmen der jeweils gültigen Funktionszuschreibung von Literatur.

Im Hinblick auf Schreibweise, Inhalt und Absicht des Romans Gil Gómez sind als Referenz die Poetiken der europäischen Empfindsamkeit, der französischen und spanischen Vor- und Früh-Romantik, des spanischen Costumbrismo und des französischen Realismus erkennbar, wobei der Autor die Praktiken des vor- und frühromantischen Schreibens am sichersten beherrscht.3 Die Protagonisten favorisieren Lektüren wie Goethes Die Leiden des jungen Werther (1774), Rousseaus La Nouvelle Héloïse (1761/ 1764), Bernardin de Saint-Pierres Paul et Virginie (1788), Chateaubriands Atala (1801) und René (1802), die frühen Verserzählungen Lord Byrons4 und Lamartines oder etwa die Lyrik von Meléndez Valdés. Auch strukturelle Nachweise für die genannten Poetiken lassen sich erbringen, in der Handlungsentwicklung, in der Zeichnung der Charaktere oder in der Beziehung zwischen den Charakteren und dem Handlungsraum.

Die Handlungsstruktur und die Zeichnung der Charaktere:
Die Handlung kann man mit Nischik (1981) als einen Strang bezeichnen, der durch die Verwebung von zwei Handlungsfäden oder Ereignisketten gebildet wird, wobei die eine aus der anderen generiert wird.5 Es beginnt mit der sich entwickelnden Liebesbeziehung zwischen Clemencia und Fernando. Clemencia ist siebzehnjährig, mit einer äußerlichen Schönheit ausgestattet, zu deren Beschreibung das Bild einer Marmorstatue und der Vergleich mit den “schönsten Frauen der Bibel”6 bemüht wird. Sie ist die Tochter eines gealterten, höchst gebildeten Arztes, der auf eine lange berufliche Tätigkeit im europäischen Ausland und in Neuspanien zurückblicken kann, und einer Engländerin, die bei der Ankunft an den “heißen Wassern des Golf von Mexiko” verstarb.

Fernando ist zwanzigjährig, der natürliche Sohn eines ehrenhaften Besitzers einer Tabakplantage. Auch seine Mutter lebt nicht mehr. Sie verstarb bei seiner Geburt. Fernando ist intelligent, er hat eine aristokratische Erziehung genossen und ist Künstler “aus Eingebung” wie es heißt. Auch er ist von außergewöhnlicher Schönheit, seine Züge sind darüber hinaus melancholisch. Der weit weniger idealistisch beschriebene, äußerlich eher linkisch wirkende Gil Gómez schließlich kam als Findelkind in die Familie don Estebans und ist mit Fernando in geschwisterlicher Zuneigung zu ihm aufgewachsen. Die drei jugendlichen Protagonisten, Clemencia, Fernando und Gil Gómez, werden von dem Erzähler als Menschen beschrieben, die sich durch Seelenadel auszeichnen7. Insbesondere in Clemencia und Gil Gómez sieht der Erzähler die Unschuld des natürlichen Lebens verkörpert. Gil Gómez wird als “hijo privilegiado de la naturaleza”/ “von der Natur privilegierter Sohn” (174) bezeichnet. An anderer Stelle heißt es: “joven cándido que conserva la superstición religiosa de los primeros años de la vida”/ “naiver junger Mann, der sich noch den religiösen Aberglauben der ersten Lebensjahre bewahrt hat” (153). Und im Falle von Clemencia gerät der Erzähler ins Schwärmen: “¡Cuánta poesía debía haber en el amor de esta pobre niña huérfana, aislada con sus pensamientos purísimos y romancescos, lejos de su país natal y del contacto envenenado de la sociedad, entregada a su inspiración, sin que la venalidad ni el interés hubiesen encontrado un eco en su inocente corazón!”/ “Wie viel Dichtung musste in der Liebe dieses armen Waisenmädchens liegen, das ganz allein ist mit seinen reinsten und romanhaften8. Gedanken, fern von seinem Geburtsland und dem vergifteten Kontakt mit der Gesellschaft, seiner Inspiration hingegeben, ohne dass Bestechung oder Gewinnstreben ein Echo in seinem unschuldigen Herzen hätten finden können!” (157f.).

Die Liebe Fernandos zu Clemencia wird einer ersten Prüfung unterzogen als er die Geliebte verlässt, um auf der Seite der Spanier gegen die Rebellen der Unabhängigkeit zu kämpfen und sie diesen Umstand mit dem schleichenden Verlust der Lebensenergie bezahlt. Eine zweite Prüfung muss er bestehen, als er die wunderschöne, aber skrupellose Aristokratin Doña Regina de San Víctor kennenlernt, dann aber erkennen muss, dass diese ihn lediglich für die eigenen Pläne missbraucht. Die Beziehung zwischen Fernando und Clemencia nimmt dann ein tragisches Ende, weil Fernando am Ende seine Geliebte nur noch in ihrer Agonie erlebt.

Gil Gómez, der seinen Bruder so abgöttisch liebt, entschließt sich Fernando zur Seite zu stehen. In dem Moment, da Fernando als erster das väterliche Anwesen verlässt, beginnt sich der zweite Handlungsfaden um Gil Gómez zu entwickeln. Gil Gómez widersetzt sich nämlich den Anordnungen des Vaters und macht sich auf die Suche nach dem geliebten Stiefbruder. Dabei stößt er auf Miguel Hidalgo y Costilla (1753-1811), den Pfarrer der Dolores-Gemeinde, der mit den Vorbereitungen der Unabhängigkeitsbewegung beschäftigt ist und schließt sich diesem an. In die Kämpfe zwischen Spanientreuen Monarchisten und den nach Unabhängigkeit strebenden Gefolgsleuten Hidalgos sind Fernando (auf der Seite des Vizekönigs Venegas) und Gil Gómez (auf der Seite Hidalgos) engagiert. Mit dem Titel des Romans versucht der Autor diesen binären Handlungsaufbau anzukündigen, und obwohl die Liebesbeziehung den Anfang und den Schluss bildet, liegt im Roman vom Umfang her (2/3 der Seiten) ein deutliches Gewicht auf dem heroischen Kampf des Pfarrers Hidalgo, der in Gil Gómez einen seiner wichtigsten Anhänger gefunden hat.

Die Beziehung zwischen fiktionaler Welt und “außerliterarisch faktischer Wirklichkeit”:
Beide Handlungsfäden, insbesondere jener um Gil Gómez und den Pfarrer Hidalgo, ruhen auf einer großen Vielzahl an zeitlichen Daten, Namen, Ereignissen der “außerliterarischen faktischen Wirklichkeit” (mit Tomás Albaladejo 1992).9 Es braucht nicht entsprechender Aussagen des Erzählers, dass es sich bei Gil Gómez um eine “verídica historia”/ eine “wahre Geschichte” (279) handelt, um zu erkennen, dass das Werk deutlich die Absicht artikuliert, eine Korrespondenz-Beziehung zwischen der fiktionalen und der “außerliterarisch faktischen Welt” zu konstruieren. Der Autor folgt damit der Praxis realistischen Schreibens. Schon im Vorwort “Al lector” unterstreicht Díaz Covarrubias: “He procurado para la parte histórica, reunir el mayor número posible de datos y documentos de la época.”/ “Was den historischen Teil betrifft, so habe ich mich bemüht, die größtmögliche Anzahl an Daten und Dokumenten der Epoche zusammenzutragen.” (147). So beschreibt der Erzähler mit naturwissenschaftlicher Genauigkeit das Krankheitsbild Clemencias (301f.), lässt Don Esteban in grausiger Ausführlichkeit seine Kriegsverletzungen beschreiben (166) oder sucht die Dynamik des Schlachtenlärms wiederzugeben (238). Diesem Anspruch der Angleichung von fiktionaler und außerliterarisch faktischer Wirklichkeit lassen sich auch die in costumbristischer Manier verfassten Textpassagen zuordnen. Sie lösen die Ereignis-Erzählung ab und dienen der Darstellung der Raumsituationen (149, 152f., 155, 169, der Blick auf Mexiko Stadt, 277f. oder auf Jalapa, 300).

Der Raum und sein Bezug zu den Figuren:
Der Raum erscheint – wie eben ausgeführt – in realistischer Weise sorgfältig ausgelotet. An diversen Stellen des Textes trifft der Leser dann auf Landschaften, die inszeniert erscheinen, um als Projektionsfläche für die inneren Befindlichkeiten oder als Stimulanz der Seelenregungen der Figuren zu dienen (153, 195, 296f.). Ein weiterer Raum ist hier zu nennen, dem in dem Roman ein besonderes Gewicht zukommt und der eines gesonderten Kommentars bedarf. In Anlehnung an die allgemeinen Ausführungen Dieter Janiks (2008: 68) zum romantisch-sentimentalen Liebesroman in Hispanoamerika lässt sich nämlich auch für Gil Gómez sagen, dass die Seele der Protagonisten den Schauplatz der Gefühle konstituieren.10 So wird die Liebesbeziehung zwischen Fernando und Clemencia, die Gefühle der beiden füreinander, unter verschiedenen Bedingungen vom Erzähler durchleuchtet und ausführlich kommentiert (z.B. im Kapitel XVI; es trägt den Titel „Lo que es el corazón humano“/ „Vom menschlichen Herzen“). Diese Liebe ist rein platonischer Natur („¿El amor de las orgías? El platonismo silencioso? Nosotros creemos que el segundo amor que se siente en la vida [sic]“/ „Die orgiastische Liebe? Der stille Platonismus? Wir glauben, dass es die zweite Form der Liebe ist“, 294), womit freilich nicht die Eros-Lehre Platons, sondern eine allgemeinsprachliche Auffassung zugrunde gelegt wird, nach der von jeglicher Sinnlichkeit befreite Verhältnis zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts bezeichnet wird. Erklärt wird die Genese dieser Liebe aus der Gleichaltrigkeit der beiden jungen Leute, ihren so ähnlichen Charakteren, Lebensweisen, Neigungen, Gedanken, aus dem isolierten Leben, das sie führten, „inmitten eines einsamen Dorfes, das keine andere Ablenkungen des Herzens zu bieten hatte“.11 Auf diese Weise konnte sich erst „Freundschaft“ („amistad“), dann eine „süße Innigkeit“ („ternura dulce“), „Zuneigung“, „Liebe“ („amor“) und schließlich „Leidenschaft“ („pasión“) entwickeln (S. 159): „[…] primero una amistad, entre un joven y una señorita que tan pronto degenera en una ternura dulce, en un cariño, en un amor, en una pasión. Lo que primero había sido un efecto de casualidad, se hizo una necesidad; los dos jóvenes acabaron por no poder vivir sin verse.“/ “[…] zuerst eine Freundschaft, zwischen einem jungen Mann und einer jungen Dame, die sich dann sehr bald zu einer süßen Innigkeit auswächst, zu einer Zärtlichkeit, einer Liebe, einer Leidenschaft.“ (S. 159). Gekrönt wird diese Entwicklung mit dem ersten „keuschen Kuss“. Der Erzähler beschreibt die dem Kuss vorausgehenden und durch ihn ausgelösten Gefühlsregungen in den beiden Liebenden und erschafft einen ewigen Augenblick, in dem sich alle Zeitlichkeit aufhebt.12

Die Rekonstruktion der Entwicklung der Liebe zwischen Clemencia und Fernando folgt dann mit der Reaktion der beiden Verliebten auf die Entscheidung Fernandos im Heer des Vizekönigs zu kämpfen. Es schließt sich das kurze und schmerzvolle Intermezzo zwischen Fernando und Doña Regina de San Víctor an, welches bei Fernando, nach Erkennen der Täuschung, ein starkes Gefühl der Reue hinsichtlich seines Tuns und später Sehnsucht nach Clemencia auslöst. Schließlich ist es noch der gefühlsmäßige Umgang der Liebenden mit der schweren Krankheit Clemencias, der vom Erzähler in den Fokus des Interesses gelenkt wird.

Unter allen präsentierten Gefühlsregungen kommt dem Ausdruck von Trauer besondere Aufmerksamkeit zu. Nur einige von vielen leidenschaftsvollen Szenen seien hier genannt, die der Erzähler mit affektgeladener Sprache präsentiert und die an die Tränenseligkeit der europäischen Empfindsamkeit erinnern: Z.B. als Clemencia die Nachricht von dem bevorstehenden Militärdienst Fernandos erhält, bricht sie in Tränen aus: „¿Quién era ese joven Fernando que tan profunda impresión había inspirado en aquel inocente corazón? ¿Quién era, que con sólo una palabra de despido hacía derramar abrasado llanto de aquellos ojos?”/ “Wer war dieser junge Fernando, der solch einen tiefen Eindruck in jenem unschuldigen Herzen hinterlassen hat? Wer war er, der mit nur einem Wort des Abschieds die verzehrenden Klagen aus jenen Augen fließen ließ?“ (158, 190). Die Erzählerstimme unterstreicht den tränenreichen Abschied noch einmal mit einer gesonderten Ansprache an die Protagonisten: “¡Dormid jóvenes, en el silencio de la noche! ¡Dormid despiertos y soñando! Soñad por la última vez, adormecidos por ese éxtasis divino en que los labios se cierran sin exhalar una sola palabra, porque el fuego del interior las vaporiza y las confunde con el aliento de la persona amada; en que los ojos no miran, pero derraman lágrimas […]“/ „Schlaft, Ihr jungen Leute, in der Stille der Nacht! Schlaft in einem Zustand des Wachens und Träumens! Träumt ein letztes Mal, eingeschläfert von dieser göttlichen Extase, in der sich die Lippen schließen, ohne ein einziges Wort zu hauchen, weil das innere Feuer es verdampfen und es mit dem Atem der geliebten Person verschmelzen lässt; eingeschläfert von dieser göttlichen Extase, in der die Augen nicht schauen, sondern Tränen vergießen […]“ (191, auch 192). Auch Fernando kann die Tränen nicht zurückhalten als er in der Nacht vor seinem Abschied die Koffer packt und Erinnerungsstücke Clemencias in den Händen hält: „Porque así es el corazón humano; Fernando lloraba por una partida que bien podía, si él quisiese, dejar de verificarse […]“/ „Denn so ist es mit dem menschlichen Herzen; Fernando weinte wegen eines Abschieds der, wenn er es gewollt hätte, auch nicht hätte Wirklichkeit werden müssen […]“ (193). Gil Gómez muss weinen als er die Entscheidung fasst, den Vater zuhause zurückzulassen, um dem geliebten Bruder nachzufolgen: „[…] esta lucha que tuvo lugar en su alma durante un momento que en sus ojos apareciesen dos lágrimas que rodaron silenciosas a lo largo de sus mejillas […] y luego que se halló en su habitación dio libre curso a sus lágrimas […]“/ „[…] dieser Kampf, der für einen Moment in seiner Seele tobte, dass in seinen Augen zwei Tränen auftauchten, die still seine Wangen hinabrannen […] und als er sich dann später in seinem Zimmer einfand, ließ er seinen Tränen freien Lauf […]“ (197). Die Erinnerung an die verstorbene Mutter lässt sogar dem hartgesottenen Soldaten Don Rafael die Tränen in die Augen steigen: „-¡Eh, si sigues hablando de esas cosas tan tristes, me obligas a volver a montar a caballo y tomar el pésimo camino por donde con mil trabajos he venido desde Veracruz, exclamó don Rafael llevando su mano a sus ojos para borrar los últimos vestigios de las lágrimas, que acaso por la primera vez después de su infancia le arrancaban los tristes recuerdos de los primeros años.“/ „He, wenn du weiter von solch’ traurigen Dingen sprichst, dann bringst du mich dazu, das Pferd wieder aufzuzäumen und den äußerst schlechten Weg zurückzunehmen, den ich von Veracruz her unter Mühen hergekommen bin, rief Don Rafael aus und fuhr sich mit der Hand über die Augen, um die letzten Spuren von Tränen fortzuwischen, die ihm, möglicherweise das erste Mal seit seiner Kindheit, die traurigen Erinnerungen der ersten Jahre entrissen.“ (164f.).

Neben der Liebe zwischen Mann und Frau (auch 192-194) findet auch die geschwisterliche Liebe (Gil Gómez und Fernando, 174, 197f.) sowie die väterliche Liebe (186, 195, 197), die Liebe zum Nächsten (der Geistliche Hidalgo nimmt Gil Gómez freundlich auf, 224) und die Vaterlandsliebe (237f.) Erwähnung. An anderer Stelle, im Kontext der Verführung Fernandos durch die wunderschöne Doña Regina de San Víctor reflektiert der Erzähler über den Unterschied der beiden Arten von „hermosura“/ „Schönheit“ im Zusammenhang mit der Liebe: „Hay en la tierra una especie de hermosura, que exige ser estudiada con detenimiento, o comparada con el alma para ser considerada como tal; pero hay otra que es tan incontestable como la luz y que no permite ser estudiada a sangre fría, porque su contemplación es ya el amor.”/ “Es gibt auf Erden eine Art der Schönheit, die verlangt danach ausführlich studiert oder mit der Seele verglichen zu werden, damit man sie als solche berücksichtigt; es gibt aber noch eine andere Art [der Schönheit, I.G.], die so unbestreitbar ist wie das Licht und die es nicht zulässt gelassen untersucht zu werden, weil ihr Betrachtung bereits Liebe bedeutet.” (241) Die Behandlung der Thematik der Liebe zwischen Mann und Frau im Gil Gómez erlaubt einen Vergleich mit Stendhals De l’Amour (1822), der in diesem Rahmen nur kurz angesprochen werden kann. Wolfgang Matzat (1990: Kap. III.2), der den Traktat Stendhals ausführlich untersucht hat, fasst ihn als „Plädoyer für die romantische Liebe“ zusammen, das sich in Auseinandersetzung mit dem aus dem höfisch-aristokratischen Bereich stammenden Verhaltensmodell und dem moralischen Diskurs konstituiert.13 Matzat verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf das Kapitel aus De l’Amour, in dem Stendhal auf die Figuren des Werther und des Don Juan eingeht. Darin wird die Liebe des Werther als eine Kraft beschrieben, die der liebenden Seele alle „Genüsse verhundertfacht“ sowie „alle Künste“ und die Schönheit offenbart. Für Werther – wie auch für Fernando und Clemencia – ist die Liebe keine gewöhnliche Angelegenheit, sie ist eine Liebe aus Leidenschaft, „amour-passion“ und führt dazu, dass „nach ein oder zwei Jahren hat der Liebende sozusagen ein Herz und eine Seele mit der Geliebten“ ist.

Die Erzählsituation:
Der Erzähler ist heterodiegetisch, es dominiert der Typ der Nullfokalisierung14. Sehr vereinzelt und noch ohne sichtbares Konzept ist der Versuch zu erkennen, mit diesem Muster zu brechen, beispielsweise, wenn er fragt: „¿-Qué pasó aquella noche entre Fernando y Clemencia?”/ “Was war in jener Nacht zwischen Fernando und Clemencia geschehen?” (183) und dem Leser gegenüber dann die unerwartete Antwort gibt, “¡Quién sabe!”/ “Wer weiß das schon!” (183). An anderer Stelle versucht er den Wahrnehmungshorizont einer der Figuren in den Vordergrund zu rücken. Dies geschieht dann durch jene Diskursform, die erst gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh.s als “erlebte Rede” bezeichnet wird:15 “Los tristes pensamientos que Fernando había experimentado al sentimiento de una separación de Clemencia, se disiparon al aspecto de aquel porvenir tan brillante, tan color de rosa que su tío le presentaba; después, en su corazón de amante, había también encontrado siempre un eco la vanidad y la ambición del hombre. Además, ¿acaso perdía a Clemencia?, por el contrario, luchando con las seducciones del mundo, iba a hacerse más digno de ella, en pocos años adquiriría un nombre, distinciones, méritos que poner a sus pies y entonces se uniría a ella para no volverse a separar más; la ausencia encendería y avivaría más el fuego de su pasión que tal vez la costumbre y las pocas dificultades podrían llegar a entibiar, si no a apagar completamente:
Así pensó Fernando.”/ “Die traurigen Gedanken, die Fernando heimsuchten, als er das Gefühl der Trennung von Clemencia erlebte, verflüchtigten sich in Anbetracht jener so glänzenden Zukunft, die ihm sein Onkel in rosa Farben malte. Später hatten in dem Herzen des Liebenden auch immer die Eitelkeit und der männliche Ehrgeiz ein Echo gefunden. Außerdem, verlor er etwa Clemencia? Im Gegenteil. Indem er mit den Verführungen der Welt kämpfte, würde er sich ihrer würdiger erweisen. In wenigen Jahren würde er einen Namen, Auszeichnungen, Verdienste erworben haben, um sie ihr zu Füßen zu legen, und dann würde er sich mit ihr verbinden, um sich nie wieder zu trennen. Die Abwesenheit würde das Feuer seiner Leidenschaft entfachen und am Leben halten, die möglicherweise die Gewohnheit und die wenigen Schwierigkeiten abkühlen, wenn nicht vollständig löschen würden.
Das dachte Fernando.” (182f.). Auch der innere Monolog findet ganz vereinzelt seine Anwendung:
“Adiós hermosos sueños de la juventud. ¡Adiós hermano Fernando, ya no me podré unir a ti, ni servir en tu compañía como oscuro soldado!
¿Pero por qué no huir? ¿Por qué no rendirse?
¡Oh, no imposible!, primero morir que hacer un acto de cobardía.”/ “Ade ihr schönen Jugendträume. Ade, Bruder Fernando, ich werde mich mit Dir nicht mehr vereinen können oder als unbekannter Soldat an Deiner Seite dienen!
Aber warum nicht fliehen? Lieber tot sein als einen Akt der Feigheit begehen.” (216).

Durch verschiedene explizite Hinweise im Text ist intendiert, die Erzählerstimme mit dem realen Autor Díaz Covarrubias zu identifizieren, ganz im Sinne des romantischen und costumbristischen poetologischen Paradigmas. Etwa als der Erzähler im Rahmen seiner Beschreibungen von Jalapa auch auf deren Literaten zu sprechen kommt: “Es Jalapa, todavía embellecida por los versos de un hombre de genio, de un poeta que la muerte arrebató joven […].
Era mi padre, J.J. Díaz.
Era mi padre, su poeta más querido, aquel cuyos romances todavía se recitan en hogar, cuyos versos todavía se cantan en las noches de luna o en las reuniones populares.”/ “Jalapa wird noch durch die Verse eines genialen Mannes verschönert, eines Dichters den der Tod jung aus dem Leben riss […]
Es war mein Vater, J.J. Díaz.
Mein Vater war Jalapas beliebtester Dichter. Seine Romanzen zitiert man noch im Kreis der Familie, seine Verse werden noch in Mondnächten oder auf Volksfesten gesungen.” (300)16

Mit der in den Handlungsablauf eingefügten moralisierenden Rede, die an ein jugendliches städtisches Leserpublikum adressiert ist (“Vosotros, jóvenes de las ciudades”, 192), thront der Erzähler – gleich einem Demiurgen und moralischen Richter – über der fiktionalen Welt, und diese Haltung entspricht auch der Absicht, die dem Werk zugrunde liegt und im Folgenden durch Rückgriff auf den Entstehungskontext erläutert werden soll:

Die gesellschaftspolitische Funktion von Literatur:
Im Hinblick auf die Umstände der Abfassung von Gil Gómez lässt sich sagen, dass es die Vermischung von Persönlichem und Politischem im Leben von Díaz Covarrubias ist, das die Erzählung motivierte. Im Jahr 1858 veröffentlichte Díaz Covarrubias seinen Gil Gómez als Feuilletonroman in dem Diario de Avisos, womit er sich den Zugang zu einem breiteren Publikum sicherte. An diese Entscheidung waren aber auch Bedingungen geknüpft, die die Textkonstitution betrafen; nämlich die Zusammensetzung des Romans aus spannungsgeladenen Episoden mit pathosträchtigen Überschriften im Sinne des movere der antiken Rhetoriktradition. Die politische Situation in seiner Heimat mögen wohl ebenfalls dazu beigetragen haben, dass sich der Autor für diese Publikationsform entschied. In einem an den Dichter Luis G. Ortiz (1835-1894) gerichteten Brief beschreibt Díaz Covarrubias die Zeit, in der dieser und weitere Prosatexte von ihm erschienen sind:

“Tal vez habrá muchos que digan que sólo un niño o un loco es el que piensa en escribir en México en esta época aciaga de desmoronamiento social, y pretender ser leído a la luz rojiza del incendio y al estruendo de los cañones.”
“Es mag viele geben, die sagen, das nur ein Kind oder ein Verrückter daran denken könnte, in dieser unheilvollen Zeit des gesellschaftlichen Zerfalls zu schreiben und damit den Anspruch erhebt, beim rötlichen Licht der Feuersbrunst und dem Donnern der Kanonen gelesen zu werden.” 17

Zu Beginn des Jahres 1858 war ein brutaler Bürgerkrieg ausgebrochen, der drei Jahre währen sollte und der als “Reformkrieg” in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Ihm ging ein langjähriger und unbarmherziger Kampf um die Macht voraus, in den Gruppen aus zwei ideologischen Richtungen verstrickt waren, die sich aufgrund iherr Vergangenheit als unversöhnlich zeigten. Es war ein zermürbender Konflikt, der das Volk teilte. Auf der einen Seite standen jene, die sich mit der wirtschaftspolitischen Ideologie des Liberalismus identifizierten, dessen Wurzeln zum Gedankengut der europäischen Aufklärung zurückgehen und zu den Anfängen der Herausbildung einer bürgerlichen Mentalität. Die Vertreter dieser Gruppe lehnten die gesellschaftliche Vormundschaftsstellung des Adels und des Klerus’ im Feld der Macht ab und verteidigten soziale, politische und ökonomische Organisationsformen, die auf dem Naturrecht basierten, auf der Volkssouveränität und auf der Gleichheit und der Freiheit. Ihre Gegner, die Konservativen, genossen die Unterstützung von zwei Institutionen, in denen seit der Conquista alle politische und ökonomische Macht zusammenlief und die Autonomie sowie verschiedene Privilegien genossen: nämlich das Militär und die Kirche.
Nach dem Sieg der Revolution von Ayutla, der Niederschlagung der Diktatur von Antonio López de Santa Anna am 8. August 1855 und während der darauffolgenden liberalen Regierungen von Juan Álvarez Benitez sowie dem Gemäßigten Ignacio Comonfort wurden die ersten Maßnahmen für die Umsetzung einer Reihe von Reformen ergriffen, welche die rechtliche, politische und ökonomische Vormachtstellung der Kirche und des Militärs empfindlich einschränkten: hier seien nur das Juárez-Gesetz (November 1855), das Lerdo-Gesetz (25. Juni 1856), das Iglesias-Gesetz (11. April 1857) sowie die neue Verfassung vom 5. Februar 1857 erwähnt.18 Aufgrund des wachsenden Drucks der konservativen Kräfte entschied sich Präsident Comonfort zu einem selbstinszenierten Staatsstreich, den er unter dem Befehl des Generals Félix Zuloaga am 17. Dezember 1857 durchführen ließ. Nach dem von Zuloaga proklamierten und von Comonfort akzeptierten Tacubayaplan sollte die Verfassung von 1857 außer Kraft gesetzt und Comonfort mit aller Regierungsmacht ausgestattet werden, bis man eine neue Gesetzesgrundlage geschaffen war. Comonfort ließ die Radikalen Liberalen, die sich seiner Entscheidung widersetzten, einsperren. Unter seinen Gefangenen war auch Benito Juárez, der damalige Präsident des Obersten Gerichtshofes und politischer Sprecher der Liberalen. Diese Maßnahmen führten dazu, dass sich Vertreter der Radikalen Liberalen als auch der Konservativen vom Regierungsstil des Präsidenten distanzierten und damit diesen massiv unter Druck setzten. Comonfort gab sich am 21. Januar 1858 geschlagen. Vorher noch hatte er dafür gesorgt, dass General Zuloaga zum Regierungspräsidenten ernannt und Benito Juárez aus der Gefangenschaft befreit wurde. Letzterer forderte dann die Regierungsverantwortung in der Zwischenzeit für sich zurück.19 Am 28. Januar ließ General Zuloaga die Reformen wieder rückgängig machen und besetzte die politischen Ämter mit Männern aus den eigenen Reihen20.

Zu Beginn des Jahres 1858 war Juan Díaz Covarrubias gerade einmal zwanzig Jahre alt, so alt wie seine Protagonisten. Sein Vater, der im Roman erwähnte José de Jesús Díaz, hatte im Heer der Drei Garantien/ “Ejército Trigarante o de las Tres Garantías21 unter Agustín de Iturbide im Unabhängigkeitskampf gedient und war später als Abgeordneter im Staat Veracruz sowie als Sekretär der Regierung von Veracruz tätig gewesen.22 Nicht nur der Vater, sondern auch der ältere Bruder23 hatten sich politisch für die Sache der Liberalen engagiert24, und José María Díaz Covarrubias (1842-1883), der Jüngste, sollte später Anwalt werden, als Abgeordneter der Liberalen in den Kongress einziehen sowie das Justiz- und das Bildungsministerium unter Benito Juárez übernehmen.25 Als die Familie Díaz Covarrubias 1848 von Jalapa nach Mexiko Stadt umzog,26 besuchte Juan das prestigeträchtige Kolleg San Juan de Letrán, um Philosophie und Latein zu studieren. In der an dieser Institution lozierten gleichnamigen Akademie hatte 1837 der Freidenker Ignacio Ramírez (“El Nigromante”, 1818-1879) seine berühmte positivistische Rede mit dem Titel “No hay Dios” gehalten27. Dort schloss Juan Díaz Covarrubias Freundschaft mit dem Dichter Manuel Mateos, Bruder des Journalisten, Dramaturgen und Romanciers Juan A. Mateos (1831-1913). Manuel Mateos wiederum war durch verwandtschaftliche, aber auch freundschaftliche Beziehungen mit zwei namhaften Liberalen verbunden, mit dem bereits erwähnten Ignacio Ramírez und mit Francisco Zarco Mateos (1829-1869)28. Mit anderen Worten, Juan Díaz Covarrubias war also in dem ideologischen Klima des Liberalismus sozialisiert worden.

Die Literatur diente Díaz Covarrubias als Sprachrohr für sein politisches Engagement für den Liberalismus. So las er beispielsweise im Rahmen der Feierlichkeiten zur Erinnerung an den Grito de Dolores am 15. September 1855 im Staatstheater/ Teatro Nacional sein Gedicht “Alegoría”, einen Heldengesang auf den Geistlichen Hidalgo. In zwei der letzten elfsilbigen Strophen richtet sich das lyrische Ich an die eigene, junge Generation und unterstreicht die Bedeutung der Freiheit29. Der Vortrag fand großen Beifall, und einige Tage später, am 24. September 1855, veröffentlichte man den Text in dem liberalen Periodikum Monitor Republicano30. Kaum einen Monat später, am 18. Oktober 1855, nahm Juan Díaz Covarrubias an einem von der Regierung organisierten Wettstreit teil, bei dem es darum ging, den Text für eine Nationalhymne zu komponieren31. Mit seinem Vorschlag, der ebenfalls im Staatstheater dargebracht wurde, nimmt er wieder das Thema der Freiheit und des durch Hidalgo initiierten Unabhängigkeitskampfes auf. In der letzten Strophe ruft der lyrische Sprecher das mexikanische Volk dazu auf, selbst in schwierigen Zeiten den Kampf für die Freiheit zu wagen32: Ein Jahr später (1856), wieder aus Anlass des Jahrestages der Unabhängigkeit, betrat Díaz Covarrubias erneut die Bühne des Staatstheaters, um in Alexandrinern und Elfsilbern sein Gedicht “A la libertad”/ “Auf die Freiheit” vorzutragen. Das Gedicht besteht aus zwei Teilen, der erste glorifiziert Hidalgo wegen seines Mutes. Der zweite prognostiziert den Sieg der Volkssouveränität über den Despotismus’ der monarchischen Regime und insistiert auf der Bedeutung der Freiheit33.

Die Periodika Monitor Republicano und El Pensamiento veröffentlichten am 5. und 6. April 1856 weitere vier Gedichte aus der Feder von Díaz Covarrubias. Darin wird der von Comonfort über die Konservativen errungene aktuelle Sieg vom 23. März des Jahres besungen34. Die Konservativen hatten mit der Unterstützung des Klerus’ die Erhebung der indigenen Bevölkerung in Zacapoaxtla, in Puebla provoziert. Zweimal hatte die Regierung Truppen entsandt, um die Aufrührer niederzuschlagen; jedoch ohne Erfolg, da sich die Truppen immer wieder auf die Seite des Gegners schlugen. Beim dritten Versuch hatte sich Comonfort selbst an die Spitze des Heers gestellt. Díaz Covarrubias glorifiziert den Sieg über den “despotismo” und vergleicht die Heldentaten Comonforts mit denen der Unabhängigkeitssoldaten35. Wieder ein Jahr später, am 15. September 1857 in Tlalpan, erbot sich Díaz Covarrubias eine weitere Möglichkeit der öffentlichen politischen Stellungnahme:
“¿De qué manera corresponder al llamamiento de la patria? ¿Cómo hacerme digno de la confianza que hoy el pueblo deposita en mí?”
“Wie soll man auf den Ruf des Vaterlandes antworten? Wie soll ich mich des Vertrauens würdig erweisen, welches das Volk mir heute entgegenbringt?”36
Mit diesen Fragen leitet er seinen Discurso cívico/ seine Patriotische Rede ein. Gleich zu Beginn bringt er seinen Wunsch zum Ausdruck, dass seine Worte offenbaren und zugleich trösten sollen und bietet dem Publikum einen historischen Abriss, der mit der Erhebung der Criollos gegen die Ausbeutung und Versklavung des neuspanischen Volkes durch die spanische Krone und ihre kirchlichen Kollaborateure einsetzt. Den ersten Teil dieser Rede reproduziert der Autor im Gil Gómez (Kap. VIII „Del estado de la Nueva España en 1810“) nach den folgenden einleitenden Worten: „Dejemos a Gil Gómez corriendo detrás de Fernando, acercándose al Estado de Guanajuato, y tendamos una mirada al Estado de Nueva España en la época de nuestra narración, que como el lector recuerda muy bien, es en los primeros días de septiembre de 1810. No podemos menos para trazar este cuadro, de repetir lo que otra vez hemos dicho en una tribuna popular.”/ “Lassen wir Gil Gómez hinter Fernando herlaufen und sich dabei dem Staat Guanajuato nähern, und werfen wir einen Blick auf den Staat Neuspanien zur Zeit unserer Erzählung, die – der Leser wird es wohl erinnern – in den ersten Septembertagen des Jahres 1810 angesiedelt ist. Wir können dabei nicht umhin, zu wiederholen, was wir zu einem anderen Zeitpunkt auf öffentlicher Bühne gesagt haben.“ (206).

Für die Krise des absolutistischen Bourbonenregimes sei das spanische Volk verantwortlich, so Díaz Covarrubias in seinem Discurso. Daraus haben die Mexikaner das Ihrige gelernt37. Es bedurfte eines Caudillo, der es wagte sich zu erheben, um das mexikanische Volk zur Unabhängigkeit zu führen38. Aber mit dem Tod Hidalgos, so Díaz Covarrubias weiter, wurden die Hoffnungen auf eine mexikanische Republik zunichte gemacht39. Der Unabhängigkeitskampf wurde von den Nachfolgern Hidalgos fortgesetzt: von Morelos, von Terán, von Guerrero, von Iturbide.40 Iturbide, so Díaz Covarrubias, machte den Fehler und ließ sich zum Kaiser ernennen, ein Umstand, der jedoch gerechtfertigt werden kann, bedenkt man die anarchische Situation des Landes in jenen Jahren, und in Zeiten der republikanischen Ordnung kann derselbe Mann, den man eben im Kontext des “Sittenverfalls” noch “Kaiser” genannt hatte, nun “Präsident” sein.41 Aber zur Republik kam es nicht, denn mit der von Antonio López de Santa Anna angeführten Revolution gegen Iturbide wurde die Möglichkeit eines langen diktatorischen Regimes geschaffen42. Seitdem herrsche in Mexiko die Zwietracht.

Díaz Covarrubias plädiert in seiner Rede für den Frieden, für eine Phase der Regeneration, damit das Land Zeit für den Fortschritt habe und sich auf gleiche Höhe mit den gebildeten Nationen Europas bringen, wenn nicht sogar diese noch übertreffen kann, ein Gedanke, der seit der Kolonialzeit von gelehrten Criollos wie z.B. Sor Juana Inés de la Cruz artikuliert wurde.43 Die Verantwortlichen für die gegenwärtige soziale Verrohung seien die Aristokratie, der Klerus und das Militär.44 Den Kern seiner Kritik bilden die „centralistas“, die „conservadores“, die – wie er es ausdrückt – „Partei des Egoismus’“ von Santa Anna, auf dessen Konto die Niederlage des Texasfeldzugs geht und der Angriff Frankreichs aufgrund einer nicht beglichenen finanziellen Schuld45.

Im Sozialen beklagt Díaz Covarrubias das Fehlen eines wahren Adels, eines Geistesadels (“nobleza verdadera, la del talento, el valor, los antiguos servicios, la nobleza republicana”), einer Eigenschaft, welche – wie bereits gesagt – die drei jungen Protagonisten sowie den Befreiungskämpfer Hidalgo aus Gil Gómez auszeichnet. Mexiko leide unter der den europäischen Lebensstil nachäffenden Aristokratie, die nur konsumiert, aber zum kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt des Landes nicht beiträgt. Somit kann diese soziale Gruppe auch nicht als bürgerliches Vorbild dienen. In den vergangenen Jahren habe man eine andere soziale Gruppe, nämlich die der Indios hingegen einfach vergessen. Sie aber müssen – so Díaz Covarrubias – in die Gesellschaft integriert werden, und zwar auf der Grundlage der Gleichheit, weil sie die Basis eines zivilisierten Volkes bilden46. Hier antizipiert er die Argumentation, mit der einige Dekaden später und in einem vom Sozialdarwinismus getränkten Ambiente der Schriftsteller und Anwalt José Martí, der “Apostel der kubanischen Unabhängigkeit” in seinem berühmten Essay “Nuestra América” an die Öffentlichkeit tritt (1891). In Gil Gómez tauchen sie als Gruppe eher am Rande auf, für deren Freiheit und Selbstbestimmung sich die positiv konnotierten Figuren, insbesondere der Pfarrer Hidalgo, engagieren.

Die Stützpfeiler des Fortschritts und des Wohlstands bilden für Díaz Covarrubias der Frieden, die Einigung und die Arbeit, die durch eine republikanische Regierung garantiert werden47. Das Militär darf nur aus Freiwilligen bestehen, die sich der Wahrung der Republik verschreiben. Die Regierung müsse dafür Sorge tragen, dass Bildung für alle zugänglich gemacht wird (auch für die Indios und die Frauen). Sie muss die beiden wahren Quellen des Reichtums des Landes, die Landwirtschaft und den Bergbau pflegen. Sie muss die Besiedelung des Landes fördern und den technischen Fortschritt (hier nennt er den Telegraphen und die Eisenbahn), und sie muss ein bürgerliches Gesetzbuch schaffen, welches jeder Bürger kennen sollte (“que cada ciudadano pueda conocer, para evitar ser víctima de la codicia de un abogado embrollador”/ “damit vermieden werde, dass er der Habgier eines Anwalts zum Opfer falle”)48. Nachdem Díaz Covarrubias auch das Wort an die Verantwortlichen der Presse richtet, damit sie sich für die Bildung ihrer Leser engagiere, statt Zwietracht zu säen, skizziert er das Konzept einer Religion, die dem Menschen Glück und Trost bringen und als ethisches und moralisches Modell dienen soll49. Er schließt seine Rede mit der Bitte um ein Ende des Bruderkrieges und ruft das mexikanische Volk dazu auf, sich der Errichtung einer glücklichen republikanischen Zukunft zu widmen.

Die Identifikation mit der Erhebung Hidalgos – so wie sie an den literarischen Zeugnissen von Díaz Covarrubias abzulesen ist – hat eine Tradition unter den Liberalen. Seit dem 19. Juli 1823 als der Kongress den 16. September als Nationalfeiertag erklärte, um die Heldentaten des Geistlichen Hidalgo zu ehren, wurde die historische Bedeutung der Rebellen von Querétaro kontrovers diskutiert: die einen griffen Hidalgo als fanatischen Ketzer an, der die öffentliche Ordnung verletzt hatte, und die anderen feierten ihn als Reformer, als Kämpfer für die Abschaffung der Sklaverei, als ein Mann, der sich mutig für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzte50. So kritisierte 1838 der Bischof von Michoacán, don Clemente de Jesús Munguía den Geistlichen Hidalgo dafür, dass er einen historischen Fehler begangen habe, indem er das Recht zur Erhebung aus den während der Conquista begangenen Ungerechtigkeiten abgeleitet habe. Drei Jahrhunderte nach der spanischen Herrschaft in Übersee, so Munguía, sei der Kolonialstatus durch das internationale Recht sanktioniert worden und die Conquista habe sich in eine historische Tatsache gewandelt51. In einer am 16. September 1840 gehaltenen Rede unterscheidet dagegen Benito Juárez zwischen dem Spanien der Conquista und dem der Cortes von Cádiz und verortet sich dabei selbst ideologisch in der letztgenannten Traditionslinie52. In dem Maße, in dem sich die Fronten zwischen Konservativen und Liberalen verhärteten, verschärften sich die Angriffe gegen die historische Person Hidalgos. Auf Initiative von Francisco Zarco gründete man 1849 das Hidalgo-Lyzeum. Es sollte ein Ort sein, an dem Literatur unter dem Symbol des Befreiers Hidalgo gefördert wird. Als 1856 die Letrán-Akademie aufgelöst wurde, nahm das Hidalgo-Lyzeum die Letrán-Literaten unter seine Fittiche. Das Organ ihrer Veröffentlichungen war die Zeitschrift La Ilustración Mexicana (1851-1855). Im selben Jahr der Gründung des Hidalgo-Lyzeums entbrach eine Kampagne gegen Hidalgo, die in konservativen und monarchietreuen Periodika wie El Tiempo und El Universal ausgefochten wurde53. Am 23. Juli 1849 beklagte El Universal die Unabhängigkeit Mexikos vom spanischen Mutterland. Am 2. August erschien in dieser Zeitung ein Artikel, in dem der Autor für die Monarchie als Freiheit garantierende Regierungsform plädiert. In seiner Ausgabe vom 16. September 1849 weigert sich El Universal an den Jahresfeiern zum Grito de Dolores teilzunehmen, weil “desde entonces sólo llevamos una vida azarosa y miserable”/ ”wir seitdem ein wechselvolles, gefährliches und elendes Leben führen”54. Diese Schmähschrift beantwortete Francisco Zarco zwei Tage später in El Siglo Diez y Nueve, eines der Prestige trächtigsten Periodika der Epoche.55

Zwischen 1857 und 1859, in also nur zwei Jahren, veröffentlichte Juan Díaz Covarrubias sein gesamtes Prosawerk. Neben zwei weiteren Romanen, Sittenromanen, wie es in den Untertiteln heißt (La clase media, April 1857 und El Diablo en México, im November 1857), erschien ein Band mit costumbristischen Prosaartikeln (Impresiones y sentimientos. Escenas y costumbres mexicanas. Miscelánea alfabética, 1857) und posthum der Roman La Sensitiva, 1859. Literatur hat für Juan Díaz Covarrubias eine gesellschaftliche Funktion. Die Gattung des Romans im Allgemeinen und die des historischen sowie auch des Sittenromans im Besonderen boten sich als Sprachrohre für die politischen Ideen des Autors an. Das lag an der Popularität dieser Schreibweisen, des Erzählens oder Beschreibens von wahrscheinlichen Situationen unter Berücksichtigung von Elementen der historisch-faktischen Wirklichkeit. Werfen wir einen Blick in zwei historische Wörterbücher der Zeit, dann finden wir unter dem Eintrag „Novela“ das Folgende:
“NOVELA.f. Historia fingida y tejida de los casos que comunmente suceden ó son verisímiles.” [Diccionario de la lengua castellana por la Real Academia Española. Décima edición. Madrid: Imprenta Nacional 1852]
“ROMAN. […] fingierte Geschichte, die aus Ereignissen gefertigt ist, die für gewöhnlich geschehen oder wahrscheinlich sind.”

“Novela, s.f. Liter. Narración histórica ó fingida de hechos y aventuras interesantes, presentados bajo diversas formas, según el gusto del escritor. En el argumento de esta clase de composiciones, en sus episodios, en sus diálogos, en todo su contenido, en fin, puede encontrarse comunmente un fondo de doctrinas, una tendencia mas [sic] ó menos marcada á cierto y determinado objeto.” [Ramón Joaquín Domínguez: Diccionario nacional o Gran Diccionario Clásico de la Lengua Española (1846-1847). Madrid/ París: Establecimiento de Mellado 1853, 5ta. edición]
“Roman, […] Historische oder fingierte Erzählung interessanter Abenteuer, die in verschiedenen Formen präsentiert wird, je nach Geschmack des Schriftstellers. In der Handlung dieser Art von Komposition, in ihren Episoden, in ihren Dialogen, kurzum, in ihrem gesamten Inhalt, lässt sich für gewöhnlich ein Bestand an Lehren finden, eine mehr oder weniger markierte Tendenz zu einem gewissen und bestimmten Gegenstand.”
Im Vorwort an den Leser (“Al lector”) zu dem Roman Gil Gómez unterstreicht Díaz Covarrubias:
“Pero pensé que en vez de cultivar con tanto ahinco una poesía tan exagerada y tan viciosa como es la mía […] valdría más que me dedicase a la novela histórica, género mucho más útil y en el cual se pueden más ensayar las fuerzas.”
“Anstatt mit Eifer eine derart übertriebene und üppige Lyrik zu kultivieren, dachte ich, dass es besser sei, ich widmete mich dem historischen Roman, einer sehr viel nützlicheren Gattung, in der man seine Kräfte besser schulen kann.”
Der Erzähler und Journalist Ignacio Manuel Altamirano (1834-1893), Landsmann und Zeitgenosse von Díaz Covarrubias schrieb in einem zehn Jahre später in El Federalista veröffentlichten Artikel (5.6.1871) diese Zeilen:

“La novela es indudablemente la producción literaria que se ve con más gusto por el público, y cuya lectura se hace hoy más popular. Pudiérase decir que es el género de literatura más cultivado en el siglo XIX y el artificio con que los hombres pensadores de nuestra época han logrado hacer descender a las masas doctrinas y opiniones que de otro modo habría sido difícil que aceptasen. La novela hoy, no es solamente un estúpido cuento forjado por una imaginación desordenada que no respeta límites en sus creaciones, con el solo objeto de proporcionar recreo y solaz a los espíritus ociosos, como las absurdas leyendas caballerescas a que vino a dar fin el famosísimo libro de Cervantes. No: la novela hoy ocupa un rango superior, y aunque revestida con las galas y atractivos de la fantasía, es necesario apartar sus disfraces y buscar en el fondo de ella el hecho histórico, el estudio moral, la doctrina política, el objeto social, la predicación de un partido o de una secta religiosa; en fin, una intención profundamente filosófica y trascendental en las sociedades modernas. La novela hoy, suele ocultar la Biblia de un nuevo apóstol, o el programa de un audaz revolucionario.”56

“Der Roman ist zweifellos die literarische Produktion, die am meisten den Publikumsgeschmack trifft und dessen Lektüre heute am populärsten ist. Man könnte sagen, dass es die im 19. Jahrhundert am meisten gepflegte literarische Gattung ist. Es ist die Kunstfertigkeit, mit der die Denker unserer Zeit es geschafft haben, Lehren und Meinungen zu den Massen herabzutragen, was sie auf anderem Weg nur schwierig akzeptiert hätten. Der Roman ist heute nicht nur eine dumme Erzählung, die von einer wirren, Grenzen überschreitenden Vorstellungskraft geschmiedet wurde, zum alleinigen Zweck müßige Geister zu unterhalten und zu erquicken, so wie die absurden Ritterlegenden, die das hochberühmte Buch des Cervantes präsentiert. Nein: der Roman nimmt heute eine gehobene Stellung ein, und obwohl er mit dem Schmuck und der Anziehungskraft der Fantasie ausgestattet ist, muss man die Verkleidung beiseite nehmen und dahinter das historische Ereignis, die Moralstudie, die politische Doktrin, den gesellschaftlichen Gegenstand, das Programm einer Partei oder einer religiösen Sekte suchen. Kurzum, der Roman der modernen Gesellschaften transportiert eine tiefgehende philosophische transzendentale Absicht. Der zeitgenössische Roman kann die Bibel eines neuen Apostels verbergen oder das Programm eines kühnen Revolutionärs.”
Der didaktische Aspekt steht in den hier zitierten Konzeptionen des Romans im Vordergrund. Die Gattung des historischen Romans spielte insbesondere für die Literaten der sich formierenden Nationalstaaten in Hispanoamerika eine besonders wichtige Rolle. Mit ihren an der politisch-sozialen faktischen Wirklichkeit orientierten fiktionalen Geschichten machten sie dem Publikum ein Identifikationsangebot.

Der Rekurs auf die europäische Empfindsamkeit, die Vor- und Frühromantik war einer breiten Rezeption dieser Romane (auch der weiblichen Leserschaft), mit denen politische Programme für die Ausbildung einer Nation propagiert werden sollten, äußerst zuträglich. Die Diskrepanz zwischen dem väterlichen Vernunftdenken (der Militärdienst Fernandos soll ihn für die Widrigkeiten des Lebens wappnen57) und dem Gefühl (der Liebe zu Clemencia) führt wie im Werther oder der Nouvelle Héloïse auch im Gil Gómez zu einem tragischen Ende. Anders aber als bei Goethe und Rousseau, thematisiert Díaz Covarrubias hier nicht die Unmöglichkeit einer Persönlichkeitsentfaltung, sondern neben dem Kampf gegen die Ketten des spanischen Mutterlandes, bilden die durch die verschiedenen Formen der Liebe ausgelösten Gefühlsregungen eine Art Gegenmodell zu der durch den Krieg verrohten Welt (Unabhängigkeitskrieg in der fiktionalen Wirklichkeit und Bürgerkrieg in der außerliterarisch faktischen Wirklichkeit).

In dem an den Leser gerichteten Vorwort “Al lector” erklärt der Autor, dass Gil Gómez el insurgente o la hija del médico Teil eines umfangreichen Romanzyklus’ ist, der sich der mexikanischen Geschichte seit der Unabhängigkeit widmet. Dieses Projekt blieb unvollendet.58 Nach seinem Medizinstudium und seinem Dienst im San Andrés Krankenhaus (seit 1857)59 ließ sich Díaz Covarrubias im konstitutionalistischen Heer von Benito Juárez aufnehmen, um im Lager von Tacubaya als Militärarzt zu dienen. Am 23. Dezember wurde der Plan de Navidad/ der Weihnachtsplan verkündet und damit General Zuloaga das Präsidentenamt aberkannt. Die Präsidentschaft ging an den General Miguel Miramón. Der Klerus, der diesen stützte, sah in ihm den “joven Macabeo”/ den junge Makkabäer60, einen ehrgeizigen und furchtlosen Soldaten, der sich zum Ziel setzte, den Feldzug gegen die Liberalen in Veracruz zu führen61. Justo Sierra (op.cit.: p. 260) beschreibt die erste Kriegsphase:

“El primer período de la guerra no pudo ser más grave para los reformistas, ni más triste para el país. El carácter religioso de la lucha la convertía en profundamente angustiosa para las familias; el clero no la fomentaba oficialmente, pero, como era natural en lo humano, ponía todas sus simpatías del lado de los tacubayistas [d.h. die Konservativen, in Anlehnung an den Tacubaya Plan, I.G.], y sus recursos. Gracias a ellos, la reacción había podido organizar ejércitos que habían destruido los mejores elementos de la resistencia constitucionalista. Lo terrible era que los combates y las ejecuciones incesantes con que ensangrentaban su bandera ambos partidos, llevaban hasta el agotamiento la anemia del país.”
“Die erste Kriegsphase konnte für die Reformer nicht ernster und für das Land nicht trauriger sein. Der religiöse Charakter des Kampfes machte diesen für die Familien zu einem beängstigenden Ereignis. Der Klerus förderte den Krieg nicht offiziell, aber, wie es natürlich in menschlichen Dingen ist, setzte all seine Sympathien auf die Konservativen. Dank dieser Unterstützung war es dieser Gruppe möglich ein Heer aufzustellen, das die besten Kräfte des Widerstands unter den Liberalen zerstörte. Das Schreckliche war, dass die Kämpfe und unablässigen Hinrichtungen, welche die Fahnen beider Parteien blutverschmierten, das Land bis zur Erschöpfung ausbluten ließen.”

Am 11. April 1859 erlitt das Heer der Konstitutionalisten, der Liberalen, in Tacubaya unter dem Befehl von General Santos Degollado eine grausame Niederlage. Hier fand auch Juan Díaz Covarrubias den Tod. Er fiel in die Hände der Konservativen, die ihn dann außerhalb von Tacubaya zusammen mit weiteren 15 Gefangenen hinrichteten. Ich zitiere noch einmal Justo Sierra (op.cit.: 260):

“El general Miramón, que llegó a México al terminar el combate, ordenó que fuesen ejecutados los oficiales prisioneros; el general Márquez, el vencedor llamante que había obtenido sobre el campo de batalla la banda de general de división, hizo ejecutar la orden, comprendiendo en ella á los médicos del ejército vencido y á algunos paisanos, que fueron impíamente fusilados.”
“General Miramón kam gegen Ende des Kampfes in Mexiko an und befahl die Exekution der gefangenen Offiziere. General Márquez, der glorreiche Sieger, der auf dem Schlachtfeld die militärisch Auszeichnung eines Generals erhielt, ließ den Befehl ausführen. Unter den Exekutierten befanden sich Militärärzte der besiegten Armee und einige Zivilisten, die alle gnadenlos füsiliert wurden.”

 

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Inke Gunia ist Professorin für Romanische Philologie/ Hispanistische Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: der spanische Schelmenroman, die spanische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, die hispanoamerikanische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, gattungstheoretische, narratologische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen.

  1. Alle Seitenangaben folgen der von Clementina Díaz y de Ovando besorgten Textausgabe: Juan Díaz Covarrubias (1959): „Gil Gómez el insurgente o la hija del médico. Novela histórica mexicana“, in: Juan Díaz Covarrubias: Obras completas. Bd. I. Estudio preliminar, edición y notas de Clementina Díaz y de Ovando. Mexiko: Instituto de Investigaciones Estéticas, UNAM, S. 145-326. []
  2. Schlickers (2003): El lado oscuro de la modernidad: estudios sobre la novela naturalista hispanoamericana. Madrid: Iberoamericana u. Prendes (2003): La novela naturalista hispanoamericana. Evolución y direcciones de un proceso narrativo. Madrid: Cátedra. Zur Romantik liegt das grundlegende zweibändige Werk Emilio Carillas vor. Es hat zum Teil kompilatorischen Charakter und liefert eine Fülle an wertvollen Primärtextverweisen. In seiner überarbeiteten dritten Fassung: (1975): El romanticismo en la América hispánica. Madrid: Editorial Gredos. Die Untersuchung von Mirta Yáñez hat essayistischen Charakter und widmet sich der Gattung der Erzähltexte (1989): La narrativa del romanticismo latinoamericano. La Habana: Editorial Letras Cubanas. Der von Graciela Batticuore, Klaus Gallo und Jorge Myers herausgegebene Sammelband (2005): Resonancias románticas. Ensayos sobre historia de la cultura argentina (1820-1890) ist kulturwissenschaftlich ausgerichtet und legt einen wichtigen Grundstein für die hier angestrebte Untersuchung. []
  3. Im April 1857 widmet Díaz Covarrubias seine unter dem Titel Páginas del corazón zusammengefasste Lyrik dem spanischen Schriftsteller der Romantik José Zorrilla. Zorrilla weilte zwischen 1854 und 1866 in Mexiko. In dieser Widmung präsentiert Díaz Covarrubias seine Dichtung als „Spiegel meines Herzens“ (cf. J. Díaz Covarrubias (op.cit.: Band I, S. 189-278). []
  4. Die Handlung hat das Jahr 1812 erreicht als Clemencia, dem Tode schon sehr nahe, Byron liest, und zwar „una de las primeras novelas de Lord Byron que acaba de aparecer“ (302). Der Erzähler spricht hier von einem „der ersten Romane Lord Byrons, der gerade erst erschienen ist“. Möglicherweise sind damit die ersten beiden „Cantos“ der Verserzählung Childe Harold’s Pilgrimage (1812) gemeint. Denkbar wären auch The Giaour (1814) oder Lara (1814). []
  5. Reingard Nischik (1981): Einsträngigkeit und Mehrsträngigkeit in der Handlungsführung in literarischen Texten. Dargestellt insbesondere an englischen, amerikanischen und kanadischen Romanen des 20. Jahrhunderts. Tübingen: G. Narr. []
  6. Alle Übersetzungen der spanischsprachigen Zitate stammen von mir (I.G.). []
  7. Der Name Clemencias verweist bereits auf das milde, gütige Wesen des jungen Mädchens. []
  8. Der Begriff „romancesco“ hat im Diccionario de la lengua castellana in seiner 11. Ausgabe von 1869 die Bedeutung von “novelesco”. (Cf. Diccionario de la lengua castellana por la Real Academia Española. Undécima edición. Madrid: Imprenta de Don Manuel Rivadeneyra, s.v.) []
  9. T. Albaladejo (1992): Semántica de la narración: la ficción realista. Madrid: Taurus. []
  10. Dieter Janik (2008): Hispanoamerikanische Literaturen. Von der Unabhängigkeit bis zu den Avantgarden (1810-1930). Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag. []
  11. „Esta semejanza de edad, de carácter, de costumbres, de inclinaciones, de pensamientos, este aislamiento común en medio de una aldea solitaria, que no presentaba ningunas otras distracciones al corazón, estas largas horas pasadas solos en compañía, escuchando el monótono ruido de la lluvia que fuera azotaba los cristales de la habitación, o contemplando con el mismo arrobamiento, con igual éxtasis el hermoso espectáculo de los silenciosos y serenos campos iluminados por la blanda luz de la luna, esta conversación inocente, pero sin testigos, estas lecturas en que figuraban personajes tan interesantes a los ojos de los jóvenes y en situación tan análoga con la suya; esta vida corriendo en común, armonizada por la música en piano y embellecida por ese perfume de melancolía y recogimiento interior qu ela semejanza hacía nacer, estas palabras vagas, incoherentes, estas confidencias a media voz de lo que soñó a noche, de lo que se pensó durante el día, de esas alegrías o dolores ocultos de la vida […]“ (159). []
  12. „Los dos jóvenes sintieron que un fluído magnético circulaba por sus venas, sus rostros se juntaron hasta tocarse y al darse un beso casto, por quemador, ardiente, apasionado, que nadie más que la perfumada brisa de su alrededor escuchó, pero que resonó con eco de música en su corazón, sellaron para siempre aquel amor silencioso […]“/ „Die beiden jungen Leute spürten wie ein magnetischer Fluss durch ihre Venen zirkulierte, ihre Gesichter näherten sich bis sie sich berührten, und als sie sich einen Kuss gaben, der keusch, aber dennoch brennend, heiß, leidenschaftlich war, den niemand außer der sie umwehenden, duftigen Brise hörte, der aber als Musik in ihren Herzen widerhallte, besiegelten sie für immer jene stille Liebe […]“ (S. 163). Ein weiteres Beispiel findet sich auf Seite 190f. Zum Augenblicksmotiv u.a. bei Goethe, siehe: Sonja Kolberg (2007): Verweile doch! Präsenz und Sprache in Faust- und Don-Juan-Dichtungen bei Goethe, Grabbe, Lenau und Kierkegaard. Bielefeld: Aisthesis. []
  13. Wolfgang Matzat (1990): Diskursgeschichte der Leidenschaft: zur Affektmodellierung im französischen Roman von Rousseau bis Balzac. Tübingen: Narr (= Romanica Monacensia, 35). []
  14. Ein sehr auffälliges Beispiel findet sich in der folgenden Textstelle: „No se podía contemplar su rostro, porque hemos dicho que estaba dentro del edificio y oculto por el cortinaje de yerba; pero los escritores tenemos el privilegio de penetrar donde queremos, y el descaro de descubrir todos los secretos, por misteriosos que éstos sean.“/ „Man konnte sein Gesicht nicht sehen, weil, wie wir gesagt haben, er sich in dem Gebäude befand und durch die Pflanzengardine verdeckt war; aber wir Schriftsteller haben das Privileg vorzudringen, wohin wir wollen und besitzen die Unverschämtheit, alle Geheimnisse, so mysteriös sie auch seien, aufzudecken.“ (316). []
  15. Der grammatikalisch-stilistische Aspekt der erlebten Rede wurde 1887 von A. Tobler entdeckt. Zu Beginn des 20. Jh. zeigte sich dann wachsendes Interesse an dieser Redeform in der Sprach- und Literaturwissenschaft. Der Begriff wurde von dem Romanisten Etienne Lorck 1921 geprägt. []
  16. Ein weiteres Beispiel findet sich auf der Seite 208. []
  17. Cf. J. Díaz Covarrubias (op.cit.: Bd. II, 403). []
  18. Die Ley Juárez, nach dem Radikalliberalen Benito Juárez benannt, damals als Justizminister sowie Minister für “Eklesiastische Geschäfte” (Negocios Eclesiásticos) tätig, ermöglichte die Abschaffung von Sonderrechten. So verloren die Militär und Kirchengerichte die Gerichtsbarkeit über Zivildelikte ihrer Angehörigen. Die Ley Lerdo oder Ley de Desamortización ist nach dem Radikalliberalen Finanzminister Miguel Lerdo de Tejada benannt und regelt den Verkauf von Liegenschaften aus dem Besitz oder dem Verwaltungsbereich kirchlicher oder ziviler Körperschaften an deren Pächter oder Mieter. Die nicht verpachteten Liegenschaften mussten öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden. Mit der Ley Iglesias, nach dem Justizminister José María Iglesias benannt, werden feste Sätze für Pfarrgemeindegebühren festgelegt, um in diesem Bereich dem Missbrauch vorzubeugen. Für weitergehende Informationen diesbezüglich, siehe Robert J. Knowlton (1985): Los bienes del clero y la reforma mexicana 1856-1910. México: FCE, S. 40, 43f. u. 74 sowie Guillermo F. Margadant (1991): La Iglesia ante el derecho mexicano. Esbozo histórico-jurídico. México: Grupo Editorial, Miguel Ángel Porrúa, S. 251-259. Die Verfassung von 1857 trug zur Verschärfung des Konflikts mit der Kirche bei. Abgesehen davon, dass der Katholizismus nicht als Staatsreligion proklamiert wurde und keine Verträge abgeschlossen werden durften, mit denen die Freiheit des Menschen, sei es durch Arbeit, die Erziehung oder die Religionszugehörigkeit, verletzt wird (”que tenga por objeto la pérdida o el irrevocable sacrificio de la libertad del hombre, ya sea por causa de trabajo, de educación o de voto religioso”, “Sección I. De los derechos del hombre”, Art. 5), proklamiert sie die Rede- und Pressefreiheit und verankerte das Juárez- und das Lerdogesetz (“Sección I: De los derechos del hombre”, Art. 7). Siehe hierzu das Themenportal “Las Constituciones Hispanoamericanas” der Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes. Letzter Zugang über: http://www.cervantesvirtual.com/servlet/SirveObras/12159207571212622976624, am 22. Mai 2009. []
  19. Er konnte das tun, weil ihm das Amt nach der Verfassung von 1857 als Präsident des Obersten Gerichtshofes in diesen Situationen zustand: “En las faltas temporales del presidente de la República, y en la absoluta, mientras se presenta el nuevamente electo, entrará a ejercer el poder el presidente de la suprema corte de justicia.” Siehe hierzu das Themenportal “Las Constituciones Hispanoamericanas” der Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes: Cf.: Constitución de 1857, “Sección I: Del Poder Ejecutivo”, Art. 79. Letzter Zugang über: http://www.cervantesvirtual.com/servlet/SirveObras/12159207571212622976624, am 22. Mai 2009. []
  20. Es waren Politiker, die sich geweigert hatten, auf die neue Verfassung von 1857 zu schwören. Cf. R. J. Knowlton (op.cit.: S. 81) []
  21. D.h. das Heer verteidigte die katholische Religion, die Mexikaniche Unabhängigkeit und die Einigkeit aller sozialen Gruppen im Krieg gegen die Spanier, so wie es im Iguala-Plan festgehalten wurde. []
  22. Sein Vater hatte es auch zu einiger Bekanntheit als Dichter und Journalist gebracht. Fundó el periódico El Zempoalteca (cf. die von Generosa Montiel Palacios verfasste Hommage an die Familie Díaz Covarrubias im Webportal der Regierung von Veracruz: Zugang über: http://portal.veracruz.gob.mx/portal/page?_pageid=153,4202608&_dad=portal&_schema=PORTAL, letzter Zugang am 5. Mai 2009). []
  23. Der ältere Bruder Juans, Francisco (1833-1889) hatte Ingeniería Topográfica/ Topographie studiert und würde sich später mit Veröffentlichungen national und international einen Namen erarbeiten. Carta geográfica del Valle de México (1855), Nuevos métodos astronómicos (1867), Determinación de la posición geográfica de México; tratado de topografía, geodesia y astronomía (1870), Viaje de la comisión astronómica mexicana al Japón para observar el tránsito del planeta Venus por el disco del sol el 8 de diciembre de 1874 (1874). (Cf. C. Díaz y de Ovando (1959): „“Estudio preliminar“, in: Juan Díaz Covarrubias: Obras Completas. Bd. 1. Mexiko: Instituto de Investigaciones Estéticas, UNAM, S. 15f.). []
  24. 1867 hatte er das Amt eines höheren Verwaltungsbeamten im Entwicklungsministerium (Oficial Mayor del Ministerio de Fomento) unter Benito Juárez inne. []
  25. Neben einer Abhandlung über das internationale Recht/ Tratado de Derecho Internacional veröffentlichte er: La instrucción pública en México. Estado que guardan la instrucción primaria, la secundaria y la profesional en la república. Progresos realizados. Mejoras que deben realizarse (1875). Cf. C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 14) sowie die bereits erwähnte Hommage an die Familie Díaz Covarrubias auf dem Webportal der Regierung von Veracruz (letzter Zugang über:
    http://portal.veracruz.gob.mx/portal/page?_pageid=153,4202608&_dad=portal&_schema=PORTAL, am 5. Mai 2009). []
  26. Nach Alejandro Villaseñor y Villaseñor zog die Witwe von José de Jesús Díaz 1849 und nicht 1848 nach Mexiko Stadt um. Das Jahr 1848 erwähnen Francisco Pimentel (in: Obras completas. México: Tipografía Económica 1904, Bd. V, S. 303) und C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 16). (Cf. Alejandro Villaseñor y Villaseñor: “Biografía del autor”, in: J. D. C.: Obras completas. México: Imp. de V. Agüeros 1902, S. VI). []
  27. Der Colegio de San Juan de Letrán de la Ciudad de México wurde im 16. Jahrhundert durch den ersten Vizekönig Neuspaniens, don Antonio de Mendoza y Pacheco, gegründet. 1836 öffnete im Colegio de San Juan de Letrán die Letrán-Akademie ihre Pforten. Es handelt sich um eine berühmte literarische Vereinigung, zu deren Mitgliedern neben den vier Gründungsvätern, José María Lacunza, Juan N. Lacunza, Manuel Tonat Ferrer und Guillermo Prieto, auch Juan Nepomuceno, Andrés Quintana Roo, Manuel Carpio, José Joaquín Pesado, Ignacio Rodríguez Galván und José María Lafragua zählten (cf. Guillermo Prieto: Memorias de mis tiempos: Tomo I: 1828 a 1840. Digitaler Nachdruck der Ausgabe von: París/ México: Vda. de C. Bouret 1906. Alicante: Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes, Kap. II, S. 164-168 u. Alicia Perales Ojeda: Las asociaciones literarias mexicanas. México: UNAM 2000). Was die polemisierende Rede von Ignacio Ramírez betrifft, so zitiere ich hier aus den Erinnerungen eines Zeitgenossen, nämlich Guillermo Prietos: “En el auditorio reinaba un silencio profundo. Ramírez sacó del bolsillo del costado, un puño de papeles de todos tamaños y colores; algunos, impresos por un lado, otros en tiras como recortes de molde de vestido, y avisos de toros ó de teatro. Arregló aquella baraja, y leyó con voz segura e insolente el título, que decía: No hay Dios. El estallido inesperado de una bomba, la aparición de un monstruo, el derrumbe estrepitoso del techo, no hubieran producido mayor conmoción. Se levantó un clamor rabioso que se disolvió en altercados y disputas”/ “In der Zuhörerschaft herrschte tiefe Stille. Ramírez zog aus einer seitlichen Tasche einen Stapel mit farbigen Papieren in allen Größen. Einige waren einseitig bedruckt, andere sahen aus wie Stofffetzen, Anzeigen für den Stierkampf oder das Theater. Er ordnete dieses Kartenspiel und las mit fester Stimme und patzigem Ton den Titel des Vortrags: “No hay Dios”. Die unerwartete Explosion einer Bombe, das Erscheinen eines Monsters, der lärmende Einsturz des Daches hätten nicht mehr Erschütterung provozieren können. Es erhob sich ein wütendes Geschrei, das sich in Wortwechseln und Disputen auflöste. (Cf. Guillermo Prieto: Memorias de mis tiempos: Tomo I: 1828 a 1840. Digitale Reproduktion der Ausgabe von: París/ México: Vda. de C. Bouret 1906. Alicante: Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes, S. 189). []
  28. Cf. C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 16f.), Ignacio Ramírez war mit Soledad Mateos verheiratet und Francisco Zarco war der Sohn von María Mateos. []
  29. “Alegoría leída en el gran Teatro Nacional la noche del 15 de septiembre de 1855” (cf. J. Díaz Covarrubias op.cit.: Bd.. I, S. 219). []
  30. Cf. C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 47). []
  31. Cf. A. Villaseñor y Villaseñor (op.cit.: S. XIV). []
  32. “Himno nacional” (cf. J. Díaz Covarrubias op.cit.: Bd. I, S. 251 f.). []
  33. “A la libertad” (cf. J. Díaz Covarrubias op.cit.: Bd. I, S. 257). []
  34. Cf. C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 47). []
  35. “Poesías. Aparecidas el 5 de abril de 1856 en los periódicos ‘El Monitor Republicano’ y ‘El Pensamiento’” (cf. J. Díaz Covarrubias op.cit.: Bd. I, S. 324f.). []
  36. Cf. J. Díaz Covarrubias (op.cit.: Bd. I, S. 330). []
  37. Cf. J. Díaz Covarrubias (op.cit.: Bd. I, S. 330). []
  38. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 331). []
  39. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 332f.). []
  40. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 333f.). []
  41. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 335). []
  42. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 335). []
  43. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 335). []
  44. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 336). []
  45. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 337). []
  46. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 338). []
  47. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 339). []
  48. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 339). []
  49. Cf. J. Díaz Covarrubias (op. cit.: Bd. I, S. 340). []
  50. Hier beziehe ich mich auf eine Untersuchung von Karl Hölz, der die Polemiken um die Person des Pfarrers Hidalgo im Verlauf des 19. Jh.s in Mexiko rekonstruiert und die politische Instrumentalisierung der beiden genannten Positionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erläutert (Karl Hölz: “Die politische Realität des Miguel Hidalgo im historischen Roman Mexikos. Dargestellt am Beispiel von Covarrubias: ‚Gil Gómez el insurgente o la hija del médico’ und Mateos: ‚Sacerdote y Caudillo’“, in: Iberoromania 22, 1985, S. 79-105). []
  51. Cf. K. Hölz (op.cit.: S. 83). []
  52. Cf. Brian Hamnett (1994): Juárez. London/ New York: Longman (= Profiles in Power), S. 27. []
  53. Cf. C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 86ff.). []
  54. Cf. C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 87). Die Übersetzung stammt von mir (I. G.). []
  55. Für weitere Details, siehe C. Díaz y de Ovando (op.cit.: S. 87). []
  56. Cf. I.M. Altamirano (1988): Escritos de literatura y arte 1. Selección y notas de José Luis Martínez. México, D.F.: SEP (= Obras Completas Ignacio Manuel Altamirano, XII), S. 230. []
  57. „[…] es necesario que deje esta vida casi ociosa que aquí lleva; que se enseñe a luchar con las circunstancias, a sufrir un poco; en fin, es necesario que adquiera algún mundo, que sea menos niño, para no poder ser engañado con tanta facilidad el día que se encuentre ya sin mi consejo” (186). []
  58. Auch am Ende des Romans erinnert er nochmals an dieses Projekt: „Más adelante volveremos a encontrar en otras circunstancias, a algunos de los personajes de esta historia.“ (326). []
  59. Cf. Francisco Pimentel (op.cit.: Bd. V, S. 303). []
  60. Hiermit ist die biblische Person des Judas Makkabäus gemeint, der sich im Kampf gegen die ausländische Besetzung des Königs Antiochus IV. Epífanes (175-164 n.Chr.) durch seine militärische Kompetenz und seinen tiefen Glauben hervortat. Er erreichte die Rückeroberung Jerusalems und restituierte den durch Antiochus entweihten Tempel (cf. Fritz Rienecker/Gerhard Maier (1994): Lexikon zur Bibel. Wuppertal/ Zürich: Brockhaus, s.v. Makkabäer). []
  61. Cf. Justo Sierra (1900-1901): “La Guerra de Tres Años”, en: México: su evolución social: síntesis de la historia política, de la organización administrativa y militar y del estado económico de la federación mexicana; de sus adelantamientos en el orden intelectual; de su estructura territorial y del desarollo de su población, y de los medios de comunicación nacionales e internacionales, de sus conquistas en el campo industrial, agrícola, minero, mercantil, etc., etc. Bd. I. México: J. Ballescá y Compañía 1900-1901, S. 257-270, hier S. 260f. (digitale Reproduktion: Alicante: Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes). Als Herausgeber firmieren: Agustín Aragón, Santiago Ballescá, Gilberto Crespo y Martínez und Justo Sierra. Das Werk erschien zwischen 1900 und 1901 während der Regierungszeit von Porfirio Díaz und transportiert den vom Positivismus getragenen übertriebenen Glauben an die Möglichkeiten der Wissenschaften. In seiner überzeugenden Studie fasst Benjamín Flores Hernández die Zielsetzungen der Veröffentlichung zusammen: “En cierto sentido, podría afirmarse, la obra fue concebida como un testimonio presentado al mundo y a la posteridad por unos hombres profundamente satisfechos con la tarea histórica que les había tocado cumplir. No es el comentado, propiamente, un libro de historiografía. Más que eso, pretende ser una exposición científica de la realidad mexicana de 1900 en todos sus aspectos fundamentales, uno de los cuales, claro está, será precisamente el de su desarrollo histórico. Y para cumplir con tal pretensión, se encargó a algunos distinguidos especialistas la redacción de ensayos sobre la evolución histórica y el estado actual de aquellos aspectos que, según la filosofía positivista, se consideraban los decisivos para la confirmación de una sociedad.”/ “In einem gewissen Sinne, so könnte man behaupten, wurde das Werk als ein Zeugnis konzipiert, das einige Männer der Nachwelt präsentierten, die mit der ihnen zugetragenen historischen Aufgabe zutiefst zufrieden sind. Es handelt sich dabei nicht eigentlich um ein historiographisches Werk. Es will vielmehr eine wissenschaftliche Darlegung der mexikanischen Wirklichkeit um 1900 in allen seinen grundlegenden Aspekten sein. Einer dieser Aspekte ist natürlich die historische Entwicklung. Um diese Ziesetzung zu erfüllen, beauftragte man einige herausragende Spezialisten mit der Abfassung von Essays über die historische Entwicklung und den gegenwärtigen Zustand jener Gesichtspunkte, die nach der positivistischen Philosophie für eine Gesellschaft entscheidend sind” (cf. “Las letras y las armas en la obra México: su evolución social”, in: Estudios de Historia Moderna y Contemporánea de México, Bd. 9, Dokument 109, Zugang über: http://www.iih.unam.mx/moderna/ehmc/ehmc09/109a.html, am 5.5.2009). []
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