Spanische Filme auf der 59. Berlinale

von Kulturabteilung Spanische Botschaft — 30.01.2009, 14:29 Uhr

Diego Luna und Adriana Gil in 'SÓLO QUIERO CAMINAR' Wieder werden bei der diesjährigen Berlinale (5.-15. Februar 2009) in den verschiedenen Sektionen Filme aus Spanien gezeigt, die nachfolgend mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung vorgestellt werden. Die Filmtitel verlinken direkt auf die jeweilige Berlinale-Seite mit den genauen Terminen und weiteren Informationen der Filme. Der diesjährige spanische Shooting Star ist die junge und vielversprechende Schauspielerin Verónica Echegui.

LA TETA ASUSTADA
Wettbewerb

Fausta hat “die erschrockene Brust”, eine Krankheit, die durch die Milch von Frauen übertragen wird, die während des Terrors des peruanischen Bürgerkrieges vergewaltigt oder missbraucht wurden. Der Krieg ist zu Ende, aber Fausta kann ihn nicht vergessen, denn die „Angst-Krankheit“ hat ihre Seele gestohlen. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter muss sie sich nun ihren Ängsten und dem in ihrem Inneren verborgenen Geheimnis stellen: zum Schutz trägt sie in ihrer Scheide eine Kartoffel, denn nur der Ekel kann die ekelhaften Männer zurückhalten.

„La Teta Asustada“ erzählt die Geschichte eines Aufblühens. Eine Reise aus der Angst in die Freiheit.

REGISSEUR: Claudia Llosa
DARSTELLER: Magaly Solier, Susi Sánchez

SINGULARIDADES DE UMA RAPARIGA LOURA
Berlinale Special

Ein slawischer Spruch lautet “Was du weder deiner Frau noch deinem bestem Freund erzählst, kannst du einem Unbekannten an der Bar erzählen“. Dies ist die Geschichte von Macario, die er in seinen eigenen Worten einer fremden Frau erzählt, die mit ihm durch die Algarve reist. Er öffnet ihr sein Herz und enthüllt ihr seine Traurigkeit wegen einer schönen Blonden, in die er sich verliebt hat und die sein ganzes Leben durcheinander gebracht hat.

Dieses moralische Märchen von Eça de Queiroz zeigt uns die Natur der Spiele und die unbestreitbare Grausamkeit des menschlichen Seins.

REGISSEUR: Manoel de Oliveira
DARSTELLER: Ricardo Trêpa, Catarina Wallenstein, Diogo Dória

EL NIÑO PEZ
Panorama Special

Lala, eine Jugendliche aus dem edelsten Viertel von Argentinien, verliebt sich in Guayi, eine 16-jährige Putzfrau aus Paraguay, die in ihrem Haus arbeitet. Die beiden Mädchen träumen davon, in Paraguay am Ypacarai-See zu leben. Dafür beginnen sie, Geld zu sparen, das sie aus den Portemonnaies klauen, die sie im Haus finden. Das Geld verstecken sie in einem Schuhkarton, doch als dieser voll ist, kommt es zur Explosion. Eine Explosion aus Sehnsucht, Eifersucht und Zorn, die Lala veranlasst, ihren Vater zu töten.

Das aber ist nur der Beginn einer Flucht entlang der Straße zwischen dem Norden von Buenos Aires und Paraguay. Während Lala in Paraguay auf ihre Liebhaberin wartet und über ihre Vergangenheit nachdenkt (das Mysterium ihrer Schwangerschaft und die Legende von einem Fisch-Kind, das die Ertrinkenden bis auf den Grund des Sees führt), wird Guavi aufgegriffen und in eine Erziehungsanstalt in einem Vorort von Buenos Aires gebracht. Auch sie hütet ein Verbrechen aus ihrer Vergangenheit.

Aus Rache, Risiko, halb brutalem Sex und Blut wird eine Handlung gestrickt, die darauf setzt, dass es einen Ausweg gibt für die Ungewissheit, mit der viele Jugendliche die Welt erleben, die sie verurteilen.

REGISSEUR: Lucía Puenzo
DARSTELLER: Inés Efron, Emme, Carlos Bardem, Pep Munné

ANDER
Panorama

Ander, ein ruhiger Mann in den Vierzigern, führt ein Routineleben zwischen der Arbeit in einer Fabrik für Fahrräder und der Landarbeit in seinem Haus, das er mit Mutter und Schwester bewohnt. Eines Tages bricht er sich bei einem Unfall das Bein. Trotz der Bedenken der Mutter entscheidet die Familie, zur Erledigung der Landarbeit den Peruaner José einzustellen.

Dessen Ankunft verändert das Leben im Haus und das von Ander, der plötzlich Gefühle entdeckt, von denen er nichts wusste, und in einen schweren inneren Konflikt gerät. Auch seine Beziehungen zu seinem besten Freund Peio und zur Prostituierten des Ortes Reme verändern sich wegen José, der sie zwingt, Stellung zu beziehen.

REGISSEUR: Roberto Castón
DARSTELLER: Josean Bengoetxea, Christian Esquivel, Pilar Rodríguez, Leire Ucha, Paco Revuelta, Mamen Rivera

COYOTE
Panorama

„Coyotes“ nennt man die Schmuggler, die illegalen Auswanderern helfen, die mexikanische Grenze in die USA zu überqueren. Das ist die Geschichte von drei illegalen mittelamerikanischen Auswanderern, unterwegs von Guatemala über Mexiko in die USA. Der Coyote, der sie führt, verschafft ihnen neue Identitäten und macht sie zu „richtigen“ Mexikanern: einem Musiker, einem angehenden Lehrer und einem Kosmetikverkäufer. Sie begeben sich auf eine Reise, die alles andere als angenehm ist, ein Abenteuer voller widriger Zwischenfälle und Überfälle, und in ständiger Gefahr, deportiert zu werden. Zuletzt müssen sie von vorne beginnen. Nur einer wird sein Ziel erreichen.

Jedes Jahr versuchen mehr als eine halbe Million Mittelamerikaner, die mexikanische Grenze illegal zu überqueren. In Zusammenarbeit mit den mexikanischen Behörden setzen die Bundesagenten der USA alles daran, die Auswanderer bereits im Süden Mexikos zu ergreifen, wo ihre Festnahme am einfachsten ist.

REGISSEUR: Chema Rodríguez

SÓLO QUIERO CAMINAR
Panorama

Gloria, Aurora, ihre Schwester Ana, und Paloma scheitern mit einem Raubversuch, bei dem Aurora festgenommen und verhaftet wird.

In der Zwischenzeit sind mexikanische Drogenhändler in Spanien eingetroffen. Ana, die sich ihr Leben mit Prostitution verdient, wird von Félix, dem Chef der Drogenhändlerbande, eingestellt. Er bietet ihr an, sie zu heiraten und mit ihm nach Mexiko zu gehen. Gloria besucht Aurora im Gefängnis um Abschied zu nehmen. Diese hat keine andere Wahl, als nach Mexiko zu gehen, wo ihr Ana eine Arbeit für Felix und seine Machenschaften angeboten hat. In Mexiko angekommen erfährt Gloria von den Schlägen, die Ana in ihrem goldenen Käfig erleidet. Zwischen all den Hieben und Besäufnissen aber hat sie einen Plan gefasst, sich zu rächen. Nachdem Aurora mit Hilfe von Paloma endlich aus der Haft entlassen wird, trifft sie ihre Freundinnen in Mexiko, um das gefährliche Vorhaben zu verwirklichen.

REGISSEUR: Agustín Díaz-Yanes
DARSTELLER: Diego Luna, Victoria Abril, Ariadna Gil, Pilar López de Ayala, Elena Anaya, José Mª Yazpik

LA SIRENA Y EL BUZO
Forum

An der Atlantikküste von Nicaragua tauchte die Leiche von Simbad dem Taucher im Wasser auf. Die Meerjungfrau verwandelte seine Seele in eine Schildkröte, die ihn zurück in die Welt der Menschen brachte. Simbad wurde als Miskito noch mal geboren und wuchs am Ufer des großartigen Flusses Coco auf. Als er groß war, brachte die Natur ihn wieder zurück ins Meer, wo die Meerjungfrau auf ihn wartet. Dieser Film erzählt die Geschichte des fabelhaften Lebens von Simbad, einem Taucher, der sich in eine Meerjungfrau verliebte, und der im Land der Miskitos in Nicaragua starb, geboren wurde und aufwuchs.

„La sirena y el buzo“ ist eine Reise nach Mittelamerika, nach Nicaragua, an die Atlantikküste, zu den Miskitos.

REGISSEUR: Mercedes Moncada Rodriguez

DIETA MEDITERRÁNEA
Culinary Cinema

Sofía wurde im Juni 1968 in einem Herrensalon frühgeboren, am selben Tag als Robert Kennedy umgebracht wurde. 15 Jahre lang wuchs sie zwischen den Feuerstellen und Esstischen des Restaurants ihrer Eltern auf. Sie ist eine fleißige, ambitionierte und unvorhersehbare Frau, die sich bald in zwei Männer verliebt: in Toni, den sie heiratet – der perfekte Schwiegersohn, mit dem sie drei Kinder hat – und in Frank, den Manager, den sich jeder Künstler wünschen würde, und mit dem sie die Geheimnisse der Haute Cuisine entdeckt. Gemeinsam erzielen sie eine berufliche und emotionale Übereinkunft, die das kulinarische und private Universum Sofias völlig revolutioniert.

„Die Geschichte von Sofia, der besten Chef du Cuisine der Welt, und von den beiden Männern, die ihr halfen, eine Legende zu werden“

REGISSEUR: Joaquín Oristrell
DARSTELLER: Olivia Molina, Paco León, Alfonso Bassave, Carmen Balagué, Roberto Álvarez, Jesús Castejón

EL ARDOR
Co-Production Market, siehe Pressemitteilung Berlinale

Auf der Flucht vor dem Geist eines Tigers der Mandschurei verlässt Qin Zhong Li sein Leben im Regenwald am Fluss Yangtzé und gelangt zum Gelben Meer. Ohne sein Ziel zu kennen, geht er als blinder Passagier an Bord eines liberianischen Frachters. In Barcelona taucht er als Soldat einer chinesischen Mafia wieder auf. Deren Arbeit besteht darin, Läden in Brand zu setzen, um sie später zu Schnäppchenpreisen zu erwerben. Eines Nachts kehrt der Geist des Tigers zurück und belauert ihn. Plötzlich läuft alles schief: Die Polizei steckt ihn ins Gefängnis, und man diagnostiziert ihm Schizophrenie und behandelt ihn mit den entsprechenden Medikamenten …

Eineinhalb Jahre später wird er aus der Haft entlassen. Aber er ist nicht mehr derselbe. Er streift in den Industriegebieten Barcelonas herum und schmeißt riesige Molotowcocktails auf die Autos auf der Autobahn, bis zu dem Tag, an dem der Tiger wieder erscheint und ihn zu einem außergewöhnlichen letzten Duell fordert.

REGISSEUR: Pablo Fendrik

SNOWHITE
Co-Production Market, siehe Pressemitteilung Berlinale

SNOWHITE ist ein gotisches Melodram, das im Spanien der zwanziger Jahre spielt. Das Märchen Schneewittchen der Gebrüder Grimm inspiriert diesen Film.

REGISSEUR: Pablo Berger

SOLAS
10. Jubiläum des Panorama-Publikumpreis

In einem armen, konfliktreichen Großstadtviertel in einem verwahrlosten Appartement sind zwei Frauen, eine Mutter und ihrer Tochter, zu Zusammenleben verdammt. Die Mutter ahnt, dass ihre Zeit gekommen ist. Die Tochter lebt von ihrem unterbezahlten Job als Putzfrau und ist schwanger von einem Mann, der von ihr nichts wissen will. Der Nachbar von oben, der seit Jahren alleine mit seinem Hund Aquiles wohnt, ist zu einem störrischen Alten geworden.

Mit großer Ausdauer gelingt es der Mutter, mit ihrer Wärme die Aggressivität von María und die Einsamkeit des Nachbars zu durchbrechen, bis diese verstehen, dass Liebe das einzige ist, was ihnen helfen kann, den langen Tunnel des Lebens mit Würde zu durchqueren.

REGISSEUR: Benito Zambrano
DARSTELLER: Ana Fernández, María Galiana, Carlos Álvarez-Novoa

• VERÓNICA ECHEGUI

Verónica Echegui kam am 16. Juni 1983 in Madrid zur Welt. Nach kleinen Rollen in TV und Kurzfilmen machte sie sich einen Namen mit dem Film „Yo soy la Juani“ von Bigas Luna, für den sie für einen Goya nominiert wurde. 2007 wurde sie auf dem Filmfestival von Málaga für „El menor de los males“ zur „Besten Nebendarstellerin“ gekürt. Für ihre Rolle in „El patio de mi cárcel“ erhielt sie 2008 eine Goya-Nominierung in der Kategorie “Beste Hauptdarstellerin”. Auf der diesjährigen Berlinale wird sie als Shooting Star vorgestellt.

  1. 6 Kommentare to “Spanische Filme auf der 59. Berlinale”

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    Carmen sagt am 03.02.2009 um 06:01 Uhr

    Das ist ja eine ganz schöne Reise durch den Kontinent. Vielen Dank fürs zusammenstellen, das Berlinale-Programm ist immer ein wenig unübersichtlich…


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    Luis sagt am 24.04.2009 um 12:08 Uhr

    Leider nur in Südwestdeutschland gibt es mittlerweile Filme aus Spanien und Lateinamerika zu sehen, beim CineLatino-Festival:

    http://www.filmtage-tuebingen.de/latino/index.htm

    http://www.tagblatt.de/3060984

    Vielleicht gelingt es ja ‚mal, diese Filmreihe auch in den Norden zu holen (z. B. nach Hamburg…).


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    Markus Trapp sagt am 24.04.2009 um 13:17 Uhr

    @Luis: Danke für den Hinweis auf Cine Latino in Tübingen. Ein sehr gutes Programm wartet dort auf die Zuschauer (die meisten der dort gezeigten Filme habe ich schon letztes Jahr auf dem Filmfestival in San Sebastián gesehen).

    Und zu Hamburg: Genau dafür haben wir ja in der Hansestadt das wunderbare Festival Cine Latino, die Spanischen und Lateinamerika-Filmtage Hamburg, über deren sehenswertes Programm ich auch schon häufig in meinem privaten Blog (Text & Blog) berichtet habe. Ich werde das nächste Festival im Juli, die Spanischen Filmtage Hamburg, auch hier im ciberaBlog ankündigen.


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    Michael sagt am 27.01.2016 um 08:46 Uhr

    Nur zur Kenntnis: „SINGULARIDADES DE UMA RAPARIGA LOURA“ ist portugiesisch, nicht nicht spanisch…


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    Markus Trapp sagt am 27.01.2016 um 21:12 Uhr

    @Michael: Ich denke, niemand, der hier mitliest, hätte etwas anderes gedacht, zumal es sich um einen Film des Altmeisters Manoel de Oliveira handelt. Aber Sie haben natürlich Recht, ihn unter der Überschrift „Spanische Filme auf der Berlinale“ aufzulisten, war nicht korrekt.


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  2. Feb 5, 2009: Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin… » Text & Blog – Das Weblog von Markus Trapp

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